Donnerstag, 19. April 2012

(Theodizee) Liebe und Allmacht



Gott.
Woran denkt man, wenn man dieses Wort hört?
Die Einen denken an einen alten Mann mit langem Bart auf dem Thron im Himmel. Andere denken dabei an Liebe. An Güte. An die Wunder im Alten Testament. An Allmacht.

In diesen Beispielen sind nun zwei Eigenschaften vorhanden, welche die Bibel u.a. für eine Charakterisierung Gottes benutzt.
Liebe und Allmacht.

Im Folgenden möchte ich darlegen, warum Liebe und Allmacht als Eigenschaften Gottes einen Widerspruch in sich bilden. Untermauern werde ich eben dies zum einen durch die Bibel, welche bei Christen als Wort Gottes gilt, und zum anderen durch den (gottgegebenen) Menschenverstand.
Zu aller erst möchte ich die beiden relevanten Begriffe, Liebe und Allmacht, definieren.Das Bertelsmann Universal Lexikon schreibt zur Liebe:
 „(…) ein Begriff, mit dem eine Vielfalt von Gefühlen der Zuneigung charakterisiert wird, die auf die Vereinigung mit dem geliebten Gegenstand zielen“
Allmächtig und liebend?
Besonders wichtig für den weiteren Verlauf ist das Wort „Zuneigung“.
Liebe beschreibt Zuneigung.

Und Allmacht?
Im Grunde erklärt sich dieser Begriff von selbst. Die Allmacht ist die Macht, alles zu tun. In der christlichen Lehre wird mit „Allmacht“ Gottes souveräne Macht beschrieben, durch welche er unfehlbar alles lenkt (sinngemäß entnommen aus dem Bertelsmann Universal Lexikon).

Dass diese Begriffe wirklich auf das Verständnis des christlichen Gottes zutreffen, lässt sich anhand der Bibel belegen.
In 1.Mose 17:1 kommt er, Gott, selbst zu Wort:
„Ich bin Gott, der Allmächtige“ (Neue Welt Übersetzung)
„Ich bin der Gott, der alle Macht hat“ (Die Gute Nachricht)
„Ich bin der allmächtige Gott“ (Bibel nach Luther)
Kein Zweifel, Gott ist gemäß der Bibel allmächtig.

Mit der Liebe verhält es sich ähnlich.
1.Johannes 4:8 äußert sich sehr deutlich, was Liebe angeht.
„Wer nicht liebt, hat Gott nicht kennen gelernt, weil Gott Liebe ist“ (Neue Welt Übersetzung)
„Wer nicht liebt, kennt Gott nicht, denn Gott ist Liebe.“ (Die Gute Nachricht)
„Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist die Liebe.“ ( Die Bibel (Alpha-Omega))

Somit liegt ganz klar auf der Hand, dass Gott diese beiden Eigenschaften besitzt: Liebe und Allmacht.

Der Kasus Knacktus ist nun Gottes Schöpfung unter der Berücksichtigung dieser Eigenschaften.
Gehen wir einmal von der Liebe (ohne Allmacht) aus.
Gott schuf die Erde, die Tiere, die Menschen. In seiner Liebe schenkte er ihnen das Leben, einen tollen Lebensraum. Später dann, als alles den Bach runter ging, die Menschen sich gegenseitig abschlachteten, vergewaltigten, durch Krankheiten dahingerafft wurden, schickte er sogar seinen Sohn, damit Adams und Evas Erbsünde ausgeglichen werden kann.
Hinzu kamen allerlei „Kleinigkeiten“, wie die Rettung der Israeliten aus dem Roten Meer, die Befreiung seines Volkes von der Belagerung der 185000 Assyrern und vielen sonstigen Taten.
Tja, diese Taten zeugen scheinbar von Liebe. Und wahrlich von Zuneigung. Aber von Allmacht?
Keine Spur.

In seiner Allmacht hätte Gott vorhersehen müssen, was geschehen wird. In seiner Allmacht muss er es vorhergesehen haben, wenn man den Prophezeiungen bezüglich Jesu in der Bibel Glauben schenkt.

Ist Gott allmächtig, so wusste er, was geschehen wird. Er wusste um die Vergewaltigungen, die Massenmorde, die Krankheiten, er wusste um jedes einzelne Übel. Um Aids, um Syphilis, um den „Schwarzen Tod“, die furchtbare Pest…
Um Hitler, um Stalin, um Anders Breivik, und so weiter…
Er hatte die Macht, diesem Übel vorzubeugen. Tat es aber nicht.
Das ist keine Liebe. Keine Zuneigung.
Das ist eiskaltes Kalkül, mancher (so wie ich) würde dabei von Bosheit, von Abneigung sprechen.

Wenn Gott wirklich Liebe ist, wenn er mit Liebe geschaffen hat, so schließt sich die Allmacht automatisch aus – Denn dann wusste er nicht, was geschieht.
Wusste er aber, was geschehen wird, so ist die Allmacht wieder im Spiel – aber die Liebe schließt sich aus.

Um es zu verdeutlichen: Wenn ich genau weiß, dass mein Kind Bonbons mag, werde ich kein Bonbon auf die heiße Herdplatte legen, denn ich weiß, dass es sich verbrennen wird – insofern ich es liebe. Verfolge ich ein anderes Ziel, welches auch immer, würde ich einplanen, dass mein Kind sich die Hand verbrennt, Schmerzen leidet.

Dieses Beispiel zeigt sehr klar das Dilemma, welches durch die Darstellung Gottes in der Bibel entsteht:
Wenn Gott wusste, so liebt er nicht.
Wenn Gott liebt, so wusste er nicht.

Können, aber nicht wollen? Wollen, aber nicht können?
Gibt es noch eine Ausweichmöglichkeit für Gott?
Die gibt es sicherlich und sie ist überaus beliebt:
„Mein Kind, Gottes Wege sind unergründlich…“

Tja, wenn Gott uns wirklich „in seinem Bilde“ (gemäß seinen eigenen Worten in 1.Mose 1:26) geschaffen hat, so sind seine Wege sehr wohl ergründlich – und zeigen ganz klar einen Widerspruch auf.
Sind seine Wege aber wirklich unergründlich, dann frage ich mich, wie sehr man da von Liebe sprechen kann.

Liebe und Allmacht sind hierbei wie zwei gleichgepolte Magneten, die sich abstoßen und nicht zusammen kommen können.
Denn das Eine schließt das Andere unweigerlich aus.

Natürlich besteht die Möglichkeit einer verqueren Argumentation: Man könnte behaupten, dies sei Gottes Plan. Es sei sein liebevoller Plan und jedes Übel schmerze ihn, dennoch müsse es ertragen werden, da am Ende sich alles zum Guten wenden wird.
Jedoch wirft diese Argumentation weitaus mehr Fragen auf als sie eigentlich beantwortet. Auch fehlen jegliche Belege seitens einer solchen Behauptung. Hinzu kommt, dass fraglich ist, inwiefern HIV und Millionen tote Juden im Holocaust, täglich verhungernde Kinder und Vergewaltigungen einem liebevollen Plan Gottes dienlich sein könnten.

Schlußendlich läuft es darauf hinaus, dass für Liebe und Allmacht vereint in einem göttlichen Wesen, von welchem die Bibel spricht, kein Platz ist. Die grundlegendsten logische Schlüsse, die grundlegendste Ethik, die grundlegendste Vernunft verbietet es.
Gott, Liebe und Allmacht…
Keine Chance…

Kommentare:

  1. Muss ein allmächtiger Gott tatsächlich alles wissen? Unter Menschen postuliert man doch recht gern den Gegensatz zwischen Kraft (Allmacht) und Hirn (Weisheit), wie z. B. bei dem Spruch: "Links und rechts (in den Oberarmen) 1000 Volt, aber oben brennt keine Glübirne."

    Deswegen:
    Folgende Aussage ergibt mehr Sinn, wenn ich statt der Allmacht "Allwissenheit" einfüge:

    "In seiner Allwissenheit hätte Gott vorhersehen müssen, was geschehen wird. In seiner Allwissenheit muss er es vorhergesehen haben, wenn man den Prophezeiungen bezüglich Jesu in der Bibel Glauben schenkt.

    Ist Gott allwissend, so wusste er, was geschehen wird. Er wusste um die Vergewaltigungen, die Massenmorde, die Krankheiten, er wusste um jedes einzelne Übel."

    Danach kommt das Moment der Allmacht, wenn es darum geht, auch zugunsten der leidenden Menschheit einzugreifen.

    Just my 2 cents.

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  2. Gemäß der Bibel MUSS dieser Gott tatsächlich alles wissen.
    Ich habe grade leider keine Bibel zur Hand, aber du kennst sicherlich den Text (aus Jesaja?), aus welchem hervorgeht, dass nichts auf der Welt ohne die Planung Gottes geschieht, dass nichts ohne sein Zutun vonstatten geht...

    Wenn es aber nur rein um die Form und Lesbarkeit geht, hast du sicherlich recht, 'ne Umformulierung ist gar nicht verkehrt, danke für den Hinweis :)...

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  3. Allmacht bedeutet, zu allem imstande zu sein. Das schließt natürlich die Gabe des Sehens in die Zukunft mit ein. Allmacht schliesst also Allwissenheit mit ein. Ich zitiere Jeremia 32:17:

    "Ach, Herr HERR, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgereckten Arm, und es ist kein Ding vor dir unmöglich; [...]"

    Die Betonung liegt auf dem zweiten Teil.

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