Montag, 9. Juli 2012

Der protestantische Theologe Paul Tillich sagte einmal, Religion sei, was uns unbedingt angehe. Recht scheint er damit zu haben.
Religiös geprägte Themen finden sich fast täglich in den Nachrichten. Seien es religiöse Bombenattentate, religiöse Hinrichtungen oder Entführungen, religiös bedingte Kriege. Aber sogar im scheinbar Kleineren scheint es eine Rolle zu spielen.

Themen wie Abtreibung, Präimplantationsdiagnostik (PID), Erziehung, Schulunterricht oder die zum Zeitpunkt des Schreibens so kontrovers diskutierte religiöse Beschneidung von kleinen Jungen tauchen immer wieder auf.



Schon von klein auf spielte Religion in unserem Leben eine Rolle. Nachdem unsere Kindheit und Jugend stark von biblischen Lehren geprägt war, haben wir uns in den vergangenen Jahren intensiver mit religiösen Themen beschäftigt.

Gedacht ist dieser noch sehr kleine und bescheidene Blog als wachsende Sammlung von persönlichen Analysen, Gedankengängen und Hinterfragungen zweier Brüder zum Thema Religion. Aufgrund unserer eigenen Erlebnisse konzentrieren wir uns dabei vorwiegend auf das Christentum bzw. die Bibel.

Bei unseren Aufsätzen versuchen wir, durch logische Argumentationen und Schlußfolgerungen unsere Gedanken darzulegen. Feedback ist dabei immer willkommen.

Freitag, 29. Juni 2012

Jesus, eine ethische Instanz?



„Christliche Werte“.
Was verbindet man damit? In der Politik hierzulande gilt „christlich“ oftmals als Synonym für „humanistisch“. Warum man „christlich“ und nicht „humanistisch“ sagt, sollte man die Leute fragen, die glauben, es sei tatsächlich synonym zu gebrauchen.

Wie dem auch sei, als erstes wird man ganz automatisch mit „christlich“ ein sozial angebrachtes Verhalten assoziieren. Was im Grunde auch nachvollziehbar ist. Immerhin schreibt sich das moderne Christentum einen wichtigen sozialen Grundsatz (wenn nicht sogar den Grundsatz schlechthin) auf die Fahne, nämlich seine Mitmenschen auf eine Art zu behandeln, wie man selbst wünscht behandelt zu werden. Zwar haben schon Jahrhunderte vor dem biblischen Jesus Philosophen (und im asiatischen Raum weitere Gelehrte) genau diesen Grundsatz  aufgeschrieben (und somit gezeigt, dass er nicht auf göttlicher Weisheit basiert, sondern in höchstem Maße menschlich ist), aber das soll vorerst am Rande stehen.
„Christliche Werte“. Diese Formulierung geht natürlich auf den „Christus“, auf „Jesus Christus“ zurück. Die Frage, die sich daraus ableitet ist, ob die „christlichen Werte“ es sich tatsächlich verdient haben, als Synonym für humanistische Werte zu gelten und ob daher Jesus eine ethische Instanz darstellt, der es sich nachzufolgen lohnt.
Waren die Werte und allgemeine Vorstellungen, die Jesus geprägt haben soll, tatsächlich humanistisch bzw. haben sie Vorbildcharakter in einer aufgeklärten Gesellschaft?
Dass sich keinerlei historische Belege für den biblischen Jesus finden lassen und seine gesamte Existenz auf Schriften berufen, die viele Jahrzehnte nach seinem (angeblichen) Tod in widersprüchlicher Form aufgeschrieben wurden, sollte dabei erst einmal außer Acht gelassen werden.
Mal angenommen, es habe ihn tatsächlich gegeben…

Beginnen wir mit dem eingangs erwähnten Grundsatz, der wohl der bekannteste der gesamten Bibel ist:
„Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch.“
sagt Jesus laut Luther in Matthäus 7:12.
Ist nun Jesus für diese „Idee“ zu loben? Fraglich. Ca. 400 Jahre vor Christus hat schon Epikur einen solchen Grundsatz formuliert.
Und Jahrhunderte vor diesem galt z. B. im Buddhismus eine ganz ähnliche Weisheit, die da lautet:
„Was für mich eine unliebe und unangenehme Sache ist, das ist auch für den anderen eine unliebe und unangenehme Sache. Was da für mich eine unliebe und unangenehme Sache ist, wie könnte ich das einem anderen aufladen?“
Man könnte die Aufzählung noch um einige weitere kluge Menschen erweitern, wie um Isokrates, der ebenfalls Jahrhunderte vor dem biblischen Jesus lebte:
Tut anderen Menschen nicht an, worüber ihr empört wäret, wenn ihr es selbst erfahren müßtet. Was immer ihr mit Worten verurteilt, dies setzt auch niemals in die Tat um.“

Auf der Hand liegt, dass Jesus nicht der Erfinder dieser „Weisheit“ war. Wie auch? Würde man eben das vermuten, stellte man den Menschen der damaligen Zeit ein furchtbares Armutszeugnis aus. Denn das würde bedeuten, sie hätten vor dem Auftreten des jüdischen Zimmermannes nie Empathieregungen gefühlt und sich wie a-soziale Barbaren aufgeführt.
Eine bereits geläufige und seit Jahrhunderten weit verbreitete Grundeinstellung einfach zu wiederholen, ist nun wirklich kein Kunststück.
Diesen Wert als einen „christlichen“ zu bezeichnen, ist ganz und gar absurd. Das zu behaupten wäre vergleichbar mit der Behauptung, Ikea habe die Möbel erfunden.

Ähnlich absurd mutet ein weiterer Ausspruch des Jesus an, der einige Kapitel zuvor aufgeschrieben wurde.
In Matthäus 5:27, 28 heißt es:
„Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: "Du sollst nicht ehebrechen."  Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“
Man könnte sich natürlich nun in Exegese versuchen und den Text interpretieren, sodass man etwas liest, was dort einfach nicht steht.

Tatsächlich predigt Jesus hier ganz ausdrücklich die Gedankenverbrechen.
Die Aussage der „Alten“ in diesen Versen macht im Grunde Sinn – Brich nicht die Ehe. Die Ehe ist ein Versprechen, dieses Versprechen zu brechen ist ein Vertrauensbruch und natürlich aus moralischer Sicht verwerflich. Und eben das reicht doch aus (ganz davon abgesehen, dass niemanden ein Ehebruch etwas anzugehen hat, außer die daran Beteiligten). Jesus aber geht einen Schritt weiter und kriminalisiert die Gedanken der Menschen. Das Perfide daran ist, dass ein Mensch seine Gedanken nicht steuern kann. Zwar ist man rein objektiv für seine Taten verantwortlich, aber für seine Gedanken?
Das Resultat aus Jesu gepredigten Gedankenverbrechen ist eine „Nonstop-Sünderrolle“. „Denke nichts Schlechtes!“ umformuliert – „Denke nicht an lila Elefanten!“ und an was denkt der Zuhörer? Richtig, genau an das, woran er nicht denken sollte. So frei sind die Gedanken…

Der biblische Jesus - ein Vorbild in Sachen Ethik?
George Orwell griff das Thema „Gedankenverbrechen“ in seinem Roman 1984 auf. Der Protagonist des Buches bringt es ernüchternd auf den Punkt: „Gedankenverbrechen zieht nicht den Tod nach sich, Gedankenverbrechen ist der Tod.“

„Jesus wollte doch nur was ganz anderes ausdrücken“, könnte man sagen, „nämlich, dass man auf seine Gedanken achten sollte, da aus ihnen die Handlungen hervorgehen!“.
Nur steht das dort nicht. Wie schon erwähnt, man kann den Text uminterpretieren, nur leider hat das zum Ziel, etwas im Text zu lesen, was der Text nicht sagt.

Sokrates sagte im totalen Gegensatz, ebenfalls einige Jahrhunderte vor Jesus, „Folge dem Argument, wohin es auch führt.“. Sicherlich war der Kontext ein anderer und Sokrates wollte auch in eine andere Richtung weisen, nämlich den vernünftigen Argumenten zu folgen, quasi die Rationalität zu ehren, aber der Gegensatz ist dennoch auffällig. Auf der einen Seite der jüdische Zimmermann, der Gedanken verurteilt, sie sogar mit der Tat auf eine Stufe stellt (somit wäre der Gedanke so schlimm wie die Tat, selbst wenn dadurch überhaupt niemand in Mitleidenschaft gezogen würde. Das wiederum zeigt direkt, dass Jesus überhaupt nicht an die Person dachte, die möglicherweise Schaden nehmen würde). Auf der anderen Seite steht der griechische Philosoph, der genau das Gegenteil lehrte, nämlich dem Gedanken bzw. dem Argument zu folgen, und somit eine Sache zu Ende zu denken und sich demnach über Sinn und Unsinn der Sache vernünftig zu vergewissern.

Diese Gegenargumentation gegen das von Jesus gelehrte Gedankenverbrechen mag ein wenig überzogen klingen. Behält man jedoch im Hinterkopf, dass aus diversen Texten hervorgeht, dass Gott die Herzen und Gedanken der Menschen kennt (besonders im AT scheint dies Betonung zu finden), wird Jesu Anmerkung doch schon in ein anderes Licht gerückt, da sich in diesem Kontext noch die Überwachung zeigt, die laut Bibel den Menschen gilt. Gott sieht alles, Gott sieht deine Gedanken. Somit wird jedes „Gedankenverbrechen“ direkt von eben diesem Gott wahrgenommen. Eine Sünderrolle, die dem Menschen aufgedrängt wird. Nonstop.
Eine sehr bedenkliche Gesinnung, die der biblische Jesus hier vertritt.
Nicht zuletzt darum, weil sie dazu beitrug, dem Menschen die unglaublich starke Bürde der Selbstverachtung aufzuladen. Der Mensch sei schlecht, schlicht weil er Mensch sei. Seine Schlechtigkeit sitzt schon in den Gedanken. Jesus setzte dem seinen Stempel auf.

Es gibt in den Evangelien 3 Begebenheiten, die sehr schön eine gewisse Charaktereigenschaft Jesu verdeutlichen.
Die erste Begebenheit ist nachzulesen in Markus 11: 12-14, 20, 21:
„Und des anderen Tages, da sie von Bethanien gingen, hungerte ihn. Und er sah einen Feigenbaum von ferne, der Blätter hatte; da trat er hinzu, ob er etwas darauf fände, und da er hinzukam, fand er nichts denn nur Blätter, denn es war noch nicht Zeit, daß Feigen sein sollten. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Nun esse von dir niemand ewiglich! Und seine Jünger hörten das. (…)  Und am Morgen gingen sie vorüber und sahen den Feigenbaum, daß er verdorrt war bis auf die Wurzel. Und Petrus gedachte daran und sprach zu ihm: Rabbi, siehe, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt.“
Jesus verfluchte einen Feigenbaum aus Enttäuschung oder Wut, dass er keine Früchte für ihn trug. Dieser starb ab und verdorrte.

Die zweite Begebenheit wurde in Matthäus 8: 30-34 festgehalten:
„Es war aber ferne von ihnen ein große Herde Säue auf der Weide. Da baten ihn die Teufel und sprachen: Willst du uns austreiben, so erlaube uns, in die Herde Säue zu fahren. Und er sprach: Fahret hin! Da fuhren sie aus und in die Herde Säue. Und siehe, die ganze Herde Säue stürzte sich von dem Abhang ins Meer und ersoffen im Wasser.
Und die Hirten flohen und gingen hin in die Stadt und sagten das alles und wie es mit den Besessenen ergangen war. Und siehe, da ging die ganze Stadt heraus Jesu entgegen. Und da sie ihn sahen, baten sie ihn, daß er aus ihrer Gegend weichen wollte.“
Hier trieb Jesus Dämonen aus und schickte sie auf ihr Bitten hin in eine Herde Schweine, welche er damit zum Tode verdammte. Die Hirten der Herde konnten nur zusehen, wie ihre Tiere in den Tod getrieben wurden. Nicht verwunderlich, dass die Menschen Jesus daraufhin nicht um sich haben wollten.

Die letzte Begebenheit schließlich gehört zu den bekanntesten Geschichten Jesu überhaupt. Es ist die Begebenheit, in welcher Jesus die Händler aus dem Tempel vertrieb:
„Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern das Geld und stieß die Tische um und sprach zu denen, die die Tauben feil hatten: tragt das von dannen und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause! Seine Jünger aber gedachten daran, daß geschrieben steht: Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen.“
(Johannes 2: 15-17)“
Hier beschädigte und zerstörte Jesus aus Wut heraus das Eigentum von Händlern, die seiner Ansicht nach ein Sakrileg begingen.

In allen drei Situationen zeigte sich eine Eigenschaft des biblischen Jesus ganz besonders: Seine Missachtung bzw. Geringschätzung von fremdem Eigentum und damit vor den Eigentümern. Zuerst lies er einen Baum verdorren, weil der keine Früchte trug, und das zu einer Zeit, zu welcher der Baum überhaupt noch keine Früchte tragen konnte (man könnte nun sagen, dass Jesus schlichtweg dumm war. Schließlich geht kein vernünftiger Mensch im Winter auf ein Erdbeerfeld und ist enttäuscht, keine Früchte zu finden). Von Respekt gegenüber der Schöpfung, von dem Bewundern der Schönheit eines Feigenbaumes (immerhin war der Schaffer und Gestalter dieses Baumes sein Vater direkt, oder – wenn man der katholischen Lehre Glauben schenkt - er selbst), davon ist keine Spur (dass es womöglich einen Besitzer gab, dem Jesus mit dieser spontanen Trotzreaktion Schaden zufügte, wird nicht einmal beachtet). Stattdessen trotziges Zerstören: "Ich krieg' keine Früchte? Dann soll keiner Früchte kriegen!".
Im zweiten Beispiel wird eben das noch um einiges deutlicher. Jesus schickt eine gesamte Schweineherde direkt zum Teufel. Warum? Aus Gefälligkeit den Dämonen gegenüber? Dass auch eben diese Schweine wahrscheinlich einen Besitzer hatten, wird wieder von ihm außer Acht gelassen. Zumindest schien Jesus sich nicht wirklich darum zu kümmern, dass die Tiere erstens für einen seiner Mitmenschen von Bedeutung waren und zweitens die Tiere selbst lebende, fühlende, Schmerz empfindende Wesen waren, die er mit seiner Handlung in den Tod trieb. Die Mitmenschen jedenfalls quittierten ihm seine Aktion damit, dass sie ihn fortschickten. Würde jemand in meinen Vorgarten tapsen und mutwillig mein Eigentum zerstören, und meine Haustiere massakrieren, würde ich wohl ebenso handeln.

Liebe predigen, Gewalt anwenden?
Kein glücklicher Spagat

Am deutlichsten wird es jedoch am dritten Beispiel, am Heraustreiben der Händler. Zuerst einmal ist interessant, woher Jesus überhaupt die Legitimation nahm, um einzugreifen. Er hielt sich selbst für den Sohn Gottes. Das erlaube ihm, Gewalt gegen seine Mitmenschen anzuwenden. Dass sein Vorgehen im direkten Widerspruch zur Goldenen Regel steht, er somit absolut unglaubwürdig agiert und sich nicht einmal an seine eigenen Vorgaben halten kann, daran dachte er in diesem Moment wohl nicht. Mit dieser „göttlichen Erlaubnis“ nun griff er die Menschen an, schlug sie, stieß ihre Stände um. Sogar verscheuchte er die Tiere. Heutzutage würden diese Aktionen wohl strafrechtlich verfolgt werden, immerhin handelte es sich um Sachbeschädigung und tätlichen Angriff.

Jesus schien dabei wohl vergessen zu haben, dass diese Händler für viele Menschen überhaupt erst die Möglichkeit eröffneten, die in der Religionsausübung geforderten Opfer darzubringen. Sei es, dass sie die makellosen Tiere anboten, die zu den Opfern zugelassen waren oder aber die entsprechenden Gelder wechselten. Das Entlarvende an dieser Geschichte ist aber nicht, dass er das nicht bedachte oder wütend darüber war. Sondern es ist ganz klar Jesu Anwendung von Gewalt. Viel einleuchtender wäre es gewesen, hätte Jesus mit den Leuten gesprochen, mit ihnen geredet, Argumente gebracht, die Menschen überzeugt, dass das, was sie tun, nicht rechtens ist. Immerhin wird in den Evangelien immer wieder behauptet, Jesus sei ein großer Lehrer, ein großer Redner. Doch davon ist hier keine Spur. Entgegen seiner eigenen Predigten und entgegen dem, was er von seinen Mitmenschen verlangte, wurde er handgreiflich. Mal ganz von der Wahrscheinlichkeit abgesehen, dass nach seinem Ausraster die Händler wohl wieder ankamen und weiter machten wie vorher.

Allgemein zeigen diese drei Begebenheiten deutlich, wie wenig Respekt Jesus mitunter vor dem Eigentum seiner Mitmenschen bzw. überhaupt vor den Mitmenschen hatte. Natürlich war das nicht durchweg der Fall. Natürlich gab es auch Begebenheiten, in denen er sich liebevoll, rücksichtsvoll, respektvoll verhielt. Nur gibt es auch die andere Seite. Und die ist nicht wegzureden.

Jesu Legitimation zur Gewaltanwendung bei seinem „Tempelausrutscher“ war, dass er „das Haus seines Vaters“ säubern wollte. Sich selbst als Gottes Sohn darzustellen mag man als Zeichen eines Größenwahns ansehen. Getoppt wird dieser Wahn noch von einer ganz anderen Vorstellung Jesu. Gemäß seiner eigenen Ansicht sei er zur Welt gekommen, um sein Leben als Lösegeld zu geben. Kompakt ausgedrückt soll durch seinen Opfertod die Menschheit von der Sünde befreit sein, durch ihn würden die Sünden vergeben werden, sodass sie Erlösung finden möge. Diese Wahnvorstellung ist an Größenwahn, Arroganz und Respektlosigkeit kaum zu überbieten.
Eben dieses Thema spricht auch Christopher Hitchens in seinem Buch „Der Herr ist kein Hirte“ an. Dort zitiert er C. S. Lewis aus seinem Buch Pardon, ich bin Christ mit folgenden Worten:
„Diese Behauptung ist wirklich so ungeheuerlich, dass sie komisch wirken muss, solange sie nicht von Gott selbst kommt. Wir alle wissen, wie ein Mensch ihm angetanes Unrecht vergibt. Jemand tritt mir auf den Fuß, und ich verzeihe ihm; jemand stiehlt mir mein Geld, und ich verzeihe ihm. Was aber würden wir von einem Menschen halten, der – selber unberaubt und unbehelligt – verkündet, er vergebe allen, die anderen Leuten auf die Füße treten und anderer Leute Geld stehlen? Eselsdumme Albernheit wäre noch die zarteste Umschreibung für ein derartiges Verhalten.
Jesu Opfer hinterfragt
Und doch hat Jesus eben dies getan. Er sagte den Menschen, ihre Sünden seien ihnen vergeben, ohne erst alle die anderen zu fragen, denen sie mit ihren Sünden unrecht getan hatten. Er verhielt sich einfach so, als sei er der am meisten Betroffene, als sei er derjenige, demgegenüber man sich am meisten vergangen habe.“
Das bringt es ziemlich genau auf den Punkt. Jesus übergeht alle Leute, denen Schaden zugefügt wurde. Er nimmt sich das Recht heraus, in ihrem Namen Sünden vergeben zu dürfen. Das ist sicherlich nicht die Einstellung eines Menschen, der hohe ethische Standards lehren sollte. Denn er übergeht ganz direkt eine ethische Basis, nämlich die Konfliktregelung zwischen den Beteiligten.
Das mag sicherlich für die Leute angenehm klingen, die sich selbst als Sünder sehen und glauben, sie haben Sünden aufgehäuft, die ihnen vergeben werden müssten. Und wie weiter oben dargelegt wurde, legte Jesus selbst die Grundlage dafür, dass ein jeder sich als Sünder sehen sollte. Tatsächlich brauchbar war sein Wahn von der universellen Sündenvergebung keinesfalls. Denn wie soll das praktisch aussehen? Ist eine Schuld durch ihn vergeben? Wird jede Schuld durch Jesus vergeben? Eine nahe liegende Schlussfolgerung, die nicht nur in den Gräueltaten während der Kreuzzüge Anwendung fand. Die Absolution Jesu Christi ist eine Logik, die in unserem heutigen gesellschaftlichen Verständnis keineswegs förderlich ist. Eine von ihm gepredigte Sündenvergebung ist in der Rechtssprechung absolut unbrauchbar. Denn das wäre grundlegend unethisch, da die Interessen der Beteiligten keinerlei Berücksichtigung finden, sondern ein gänzlich Unbeteiligter sich das Recht herausnimmt, jegliche Schuld zu vergeben.
Auch hier zeigt ganz klar, dass Jesu Vorbild als ethische Leitlinie kläglich versagt.

Oft wird Jesus zugute gehalten, dass er diverse als barbarisch anmutende Gesetze des Alten Testaments abschaffte (z. B. angeordnete Hexenermordung, Anleitungen zum Verkauf der Tochter, Anleitungen zur Sklavenhaltung usw.) durch ein 'neues Gebot'. Als Begründung wird gern ein bestimmter Bibelvers genannt:
Johannes 13:34
„Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe, auf daß auch ihr einander liebhabet.“
Zuerst einmal ist zu sagen, das Jesus an dieser Stelle überaus überheblich redet. Seine Liebe setzt er selbst als Maßstab für die Liebe seiner Nachfolger. Das ist ungefähr so demütig wie Moses Ausspruch, er sei der Demütigste unter allen Menschen gewesen (genau in diesem Punkt zeigt sich Jesu Überheblichkeit auch an anderer Stelle, wenn er in Matthäus 11:29 sagt, er sei von Herzen demütig. Demut zeigt sich nicht gerade dadurch, dass man es von sich behauptet, das macht eher genau das Gegenteil deutlich).
Darüber hinaus äußert Jesus hier nicht den Wunsch, dass sich seine Nachfolger liebevoll verhalten würden. Er trägt es auch nicht als persönliches Anliegen vor. Sondern wieder einmal spricht Jesus von einem Gebot. Das Gebot zu lieben ist in jedem Fall absurd. Denn jedem Menschen wird einleuchten, dass man eben solche Gefühle kaum erzwingen kann.

Nun, in jedem Fall ist der Vers aus Johannes 13 keinesfalls eine Ablösung der bereits bestehenden Gesetze, auch wenn es danach klingen mag. Diese großartige Chance, etwas wirklich Gutes zu tun, indem man ein bestehendes Übel verringert, hat Jesus direkt vertan. Er sprach sich sogar explizit dagegen aus, dass die bereits bestehenden Gesetze geändert oder sogar aufgelöst werden würden.
In Matthäus 5:17-19 verkündet er:
„Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.“
Somit legt Jesus ausdrücklich Wert auf die Gesetze, die u. a. zig Tausend Menschen während der Inquisition das Leben kosteten. Die Hexenverbrennungen waren somit rechtfertigt durch Jesu Anspruch, die alten Gesetze müssen gewahrt bleiben (So wird in 2. Mose 22:17 klar gesagt, dass Hexen zu ermorden sind). Der Sklavenhandel, der in Europa und besonders Amerika sogar bis spät ins 19. Jahrhundert dauerte und florierte, war offensichtlich christlich rechtfertigt (u. a. in 3.Mose finden sich diverse Gesetze zum Thema Sklavenhaltung). Schließlich war Sklaverei im Einklang mit Jesu Worten, dass das Gesetz nicht vergehe. Mehr noch, er stellt für die Einhaltung dessen sogar eine besondere Belohnung im Himmelreich in Aussicht (was für jeden halbwegs Vernunftbegabten ein Albtraum wäre, da laut Jesus nur die in sein Himmelreich kämen, die im Geiste arm seien, aber nun gut…). Mit anderen Worten stellt Jesus hier auf die Missachtung der Menschenwürde eine Belohnung aus. Gerade in diesem Punkt scheinen sich Steven Weinbergs Worte zu erfüllen, nämlich dass es der Religion bedarf, damit gute Menschen Böses tun.
Wieder zeigt sich deutlich, dass Jesus als ethische Richtlinie nicht nur unbrauchbar, sondern direkt antihuman ist.

Jedoch gibt es eine Sache, die man Jesus scheinbar anrechnen darf. Sein Umgang mit Frauen war, schenkt man der Bibel Glauben, im Kontext der Zeit bemerkenswert. Während einer seiner glühendsten Fans, der spätere Apostel Paulus, Frauen direkt verdammte, beschimpfte, diskriminierte und ihnen das Sprechen bei Versammlungen verbat, unterhielt sich Jesus mit ihnen, belehrte sie, heilte sie (und für sie), lies sich von ihnen die Füße waschen… Na gut, das Letzte sollte vielleicht in solch einer Aufzählung lieber gestrichen werden. Sich von einer Frau die Füße waschen zu lassen bzw. ihr die Erlaubnis dessen geben, ist nun wirklich kein Indiz für einen besonders respektvollen Umgang, im Gegenteil, es als Privileg zu behandeln scheint doch ziemlich selbstverherrlichend.

Zwei Dinge sind hierbei auffällig. Das erste wäre das, was im vorherigen Abschnitt bereits angesprochen wurde. Trotz seines Verhaltens gegenüber Frauen stand Jesus laut eigenen Worten ganz klar zu den alten Gesetzen, die Frauen nicht unbedingt würdigten. Schaut man sich das Alte Testament mit seinen frauenfeindlichen Inhalten an, wird klar, dass die Frau dem Mann eher als Besitzobjekt zustand, mit welchem er nach Belieben verfahren könne. Jesus grenzte sich von diesen Inhalten nicht ab. Er verurteile nicht die Frauenfeindlichkeit, noch lebte er sie aus (was vielleicht auch daran lag, dass er gemäß der Bibel keine Ehefrau „besaß“). Eindeutige Aussagen zu diesem Thema sucht man jedoch vergebens. Auch in diesem Punkt hat Jesus die einzigartige Chance vertan, ein bestehendes Übel zu verringern. Mag sein, dass durch sein Beispiel sich einige angespornt fühlten, ihren Umgang mit Frauen zu überdenken, wobei das eine pure Spekulation ist. Zum einen ist das ein außerordentliches Armutszeugnis für diejenigen, die erst ein Vorbild brauchen, um Mitmenschen tatsächlich als Menschen anzuerkennen. Zum anderen bleibt die Frage, warum Jesus sich nicht ausdrücklich äußerte. Man kann darüber nun spekulieren und vermuten, am Ende steht jedoch weiterhin die Tatsache, dass brauchbare Äußerungen in diese spezielle Richtung fehlen. Umso trauriger ist es, wenn sein bereits erwähnter Nachfolger Paulus ganz im Stil und im Einklang mit dem Alten Testament wiederum gegen Frauen wetterte. Dass dieser Ton noch heute im Christentum verbreitet ist, ist umso aussagekräftiger. Falls es tatsächlich Jesu Intention gewesen sein sollte, Frauen in einem höheren Maß zu wertschätzen (obwohl das wider seiner Aussage stünde, die alten Gesetze aufrechtzuerhalten, zu denen die menschenunwürdige Behandlung von Frauen gehört), muss ganz deutlich gesagt werden, dass er auch hier voll und ganz versagte. Deutliche Aussagen und Klarstellungen hätten dem vermutlich abgeholfen, jedoch scheint das Thema für den biblischen Jesus nicht annähernd so wichtig gewesen zu sein, als dass er seine Mitmenschen darüber unterrichtete.

Im Hinterkopf sollte man jedoch behalten, dass Jesus keine Anstalten machte, sich von Frauen bedienen zu lassen. Sei es die bereits erwähnte Szene, in welcher er einer Frau gestattete, ihm die Füße zu waschen. Oder die in Lukas 8:1-3 angeführte Begebenheit, in welcher Jesus sich von Frauen beschenken lies, welche er vorher angeblich von Dämonen befreite (man kann nur hoffen, dass er dieses mal nicht wieder Schaden dadurch zufügte, wie er es mit den Schweinen tat).

Bislang zeigte sich Jesu Versagen als brauchbare ethische Richtlinie in diversen Punkten. Sei es in der Goldenen Regel, welche nichts andere ist als eine Abkupferung schon vorhandener philosophischer Grundsätze. Oder seine Vermessenheit in Bezug auf die Sündenvergebung, die sämtliche Beteiligten übergeht. Und natürlich darf sein Festhalten an alten, menschenverachtenden Geboten nicht vergessen werden.

Das alles jedoch wird in den Schatten gestellt von dem, was Jesus Menschen in Aussicht stellt, die sich nicht seinen Ansichten unterordnen, ergo sich nicht ihm unterordnen. Die wohl am weitesten verbreitete Redewendung in diesem Bezug findet sich unter anderem in Matthäus 13:47-50, wo es heißt:
„Abermals ist gleich das Himmelreich einem Netze, das ins Meer geworfen ist, womit man allerlei Gattung fängt. Wenn es aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Ufer, sitzen und lesen die guten in ein Gefäß zusammen; aber die faulen werfen sie weg. Also wird es auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappen sein."
Keine rosigen Aussichten für Abweichler
In den „Feuerofen“ und „Heulen und Zähneklappen“. Jesus stellt direkt die Hölle in Aussicht. Das mag vielleicht zuerst einmal unspektakulär klingen, immerhin ist schon im Alten Testament oft von der Hölle die Rede. Jedoch bezieht es sich im AT auf das Totenreich, nicht auf die ewigen Qualen. Diese Folter, diese dauerhafte unmenschliche Bestrafung in Form von ewigen Qualen ist innerhalb der Bibel erst die Erfindung Jesu Christi. Natürlich gab es in anderen Kulturkreisen schon lange vor Jesus einen Ort ewiger Höllenqualen, daher liegt hier der Schluß nahe, dass Jesus nicht von allein auf diese Perversion kam, sondern sich auch in diesem Punkt bei bereits bestehendem Gedankengut bediente.
Hier einige weitere Zitate des liebevollen Jesu Christi:

„Und er hat seine Wurfschaufel in der Hand: er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer.“ 
(Matthäus 3:12) (Spreu und Weizen stehen synonym für Menschen, welche mit ewigen Feuer verbrennen.)

„des Menschen Sohn wird seine Engel senden; und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die da unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappen.“ 
(Matthäus 13: 41, 42) (Zur Erinnerung – Unrecht ist z. B. das Verstoßen gegen die bereits erwähnten Gebote des AT, auf die Jesus ausdrücklichen Wert legte.)

 „Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ 
(Matthäus  25:41) (Hierzu spricht im Kontext Offenbarung  20:10 ebenfalls von einer ewigen Qual)

Diese Liste könnte man natürlich noch erweitern. Immer wiederkehrende Formulierungen sind das „Heulen und Zähneklappern“ als Ausdruck von Schmerz und Qual sowie das ewige Feuer als Zeichen der unglaublichen und immerwährenden Schmerzen, welche unliebsamen Menschen bevorstünden.
Insofern lässt Jesus nicht die Wahl, sich ihm anzuschließen. Er versucht direkt zu erpressen und einzuschüchtern. Insofern kann man ihn passend als einen Spalter bezeichnen. Denn er fügte die Menschen nicht zusammen, sondern teilte sie auf. Sein Denken war geprägt von „Spreu und Weizen“, also von Gut und Böse. Von Böcken und Lämmern. Ein recht einfaches Weltbild. Man könnte nun bekannte Diktatoren und Massenmörder aufzählen, die ebenso wie Jesus die Welt in gute Menschen und schlechte Menschen aufteilten und sich dementsprechend verhielten, aber jeder kennt sie. Nicht zuletzt ein ehemaligen Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika behauptete, das Böse existiere und man müsse es bekämpfen – der Einstieg in einen über 10 Jahre dauernden Krieg, der vor allem vielen Unbeteiligten das Leben kostete.
Besonders Jesu Worte in Matthäus 12:30 sprechen eine deutliche Sprache:
„Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich;“
Wer eine andere Meinung vertritt, ist der Feind. Im Übrigen zeigt sich hier wieder Jesu bereits angesprochener Größenwahn. Die Vorstellung, dass es Leute gab, denen Jesus komplett egal war, kannte er nicht. Für ihn gab es entweder Menschen für oder wider ihn. Behält man im Hinterkopf, dass er sich kaum von seinem Heimatort entfernte, dürfte auf der Hand liegen, dass die Menschen auf anderen Kontinenten sich wohl kaum für einen größenwahnsinnigen Zimmermann interessierten, der allen Ernstes behauptete, er würde Gottes Sohn sein. Aber immerhin vergab er ihnen ihre Sünden!

Jesu Rhetorik zeichnet sich deutlich dadurch aus, dass er die Menschen nicht mit vernünftigen und guten Argumenten zum Umdenken bringen wollte (man denke dabei an Sokrates, der weitaus vernünftiger schon Jahrhunderte vor dem jüdischen Wanderer lehrte). Sondern er versucht mittels Strafe und Belohnung seine Mitmenschen zu beeinflussen und sie auf emotionaler statt auf rationaler Ebene zu treffen. So findet sich z. B. in Matthäus 19:28, 29 der Lohn, den Jesus dafür in Aussicht stellt, ihm nachzufolgen. Er schwärmt von Besitztümern, die die Entbehrungen auf der Erde entlohnen würden. Der exakt gleichen Rhetorik sind die Attentäter des 11. Septembers in Amerika auf den Leim gegangen. Die Lehren an sich wurden nicht hinterfragt, sondern Menschen wurden durch die irrationale Belohnung nach dem Tod beeinflusst und somit zum Handeln gebracht. Natürlich heißt das nicht, dass Jesus zum Morden aufrief (obwohl er sagte, er sei gekommen, nicht um Frieden, sondern das Schwert zu bringen und, wenn auch metaphorisch, aufforderte, man möge sich Schwerter schmieden, wenn man keine besitze, was wiederum heilige Kriege rechtfertigte…), jedoch ist interessant, dass man auf die gleiche Rhetorik trifft.
Was man vergeblich sucht, sind lebensbejahende Begründungen. Im Kern ist als Beispiel der Gedanke der Goldenen Regel ja nicht schlecht, aber auch hier wird im Endeffekt die Belohnung in Aussicht gestellt, um dadurch die Menschen zum handeln zu animieren. Auch im Punkt Gedankenverbrechen argumentiert er nicht vernünftig, sondern droht indirekt. Insofern fordert Jesus die Menschen nicht auf, gut zu sein, weil sich dadurch eine angenehme und friedliche Gesellschaft ergibt (sehr einfach formuliert), sondern weil sie am Ende dafür entlohnt - oder bestraft - würden. Leider ist das für nicht wenige Missionare und sonstige Nachfolger eine sehr entlarvende Schlussfolgerung, nämlich dass sie ihrem „christlichen Werk“ nur nachgehen, weil Jesus entsprechenden Lohn für sie bereithalte. Schade auch für Jesus, der scheinbar seinen Nachfolgern so wenig Integrität zutraute, als das sie sich nicht recht verhalten würde, schlichtweg weil es richtig ist, sondern nur aufgrund einer auf sie wartenden Belohnung.
Auch hier zeigt sich wieder einmal, dass Jesus in keinerlei Hinsicht ethisch brauchbar vorging.

Was ergibt sich aus alledem schlussendlich? Auf der Hand liegt, dass Jesus aus ethischer Sicht voll und ganz versagte. Wenn man ihm heutzutage zusichert, ein Vorbote des Friedens, des Pazifismus gewesen zu sein, wird deutlich, dass es sich hierbei um eine leere Behauptung handelt, die sich bei näherer Betrachtung direkt als komplette Falschaussage herausstellt. Und die einzig brauchbare, große Aussage ist schlichtweg ein Plagiat bereits vorhandener Weisheiten, die jedoch hervorragend ohne eine angeblich göttliche Autorität und den darauf folgenden Belohnungen und Bestrafungen auskam (sogar viel besser ohne diesen Nutzlosen Ballast auskommt!).
Hinzu kommt, dass er weitläufig Aussagen und Forderungen nicht nur nicht rational begründete, wie man es eigentlich zu erwarten hat, sondern die Befolgung seiner Forderungen durch seine Autorität als Sohn Gottes rechtfertigt (was es sogar für einige Menschen heutzutage noch unmöglich macht, seine Aussagen zu hinterfragen, da sie heilig, göttlich und somit unfehlbar seien).
In vielerlei Hinsicht zeigt sich, dass ein Verzichten auf Jesu Vorbild weitaus humaner und besonders vernünftig ist, z. B. wenn es darum geht, die im AT festgelegten Regeln zu missachten, welche, nebenbei bemerkt, mittlerweile sogar gegen das Deutsche Grundgesetz verstoßen.
Ein weiter Punkt, der bislang keine Erwähnung fand ist, dass Jesus zu diversen Missständen einfach schwieg. Insofern er wirklich ein so stark beachteter und angesehner Lehrer und Redner war, als welchen ihn die Bibel darstellen möchte, wäre es ihm sicherlich ein Leichtes gewesen, gewisse Dinge anzuprangern, die seit Jahrhunderten wohl besonders in der ihm bekannten Welt Menschenleben zur Hölle auf Erden machten. Sei es  die unwürdige Respektlosigkeit gegenüber Frauen, die menschenverachtende Sklavenhaltung oder gewalttätige Konflikte.
Zu allen diesen Dingen schwieg er oder befeuerte sie sogar mit indirekten Anspielungen. Von einem Möchtegerngott sollte man doch einiges mehr erwarten.
Denn offensichtlich haben seine Nachfolger eben diese Dinge besonders gebraucht. Nehmen wir Paulus, der, wie bereits angeführt, Frauen verachtete und direkt degradierte und ein grandioses Beispiel für die Verfolgung der Juden wurde. Oder die Sklavenhaltung, welche zu Jesu Zeit eine völlig normale Angelegenheit war, sogar noch knappe 2000 Jahre nach Jesu Tod Anwendung fand, nicht zuletzt mit der direkten Berufung auf die Bibel.
Zwar sagte Jesus, wer das Schwert ziehe, würde eben dadurch auch sterben, nur hätte er eben diesen Ausspruch wohl besser nicht durch andere Ausführungen widerlegen sollen. Von einer eindeutigen Dinstanzierung zur Gewalt kann man kaum sprechen, schwärmte er doch selbst davon und wandte sie sogar selbst an. Ein leuchtendes Vorbild.

Trotz allem kann man natürlich mit einigen berühmten Christen bzw. mit Menschen argumentieren, welche unter Berufung auf Jesu Beispiel und ihre christliche Religion besonders humanistisch lebten. Als Beispiel könnte dafür Martin Luther King gelten, auf den Christopher Hitchens im bereits erwähnten Buch „Der Herr ist kein Hirte“ einging.
Jedoch wird sich in fast 100% der Fälle zeigen, dass diese Menschen in ihren humanistischen Handlungen sich entgegen den biblischen Maßstäben verhielten (und somit eigentlich unchristlich waren). Und, was noch viel schlimmer ist, sich wahrscheinlich viel mehr Beispiele für besondere Unmenschlichkeit bei Menschen finden lassen, die ihrem biblischen Vorbild in besonderem Eifer folgen wollten (auch hier kann man diverse Prominente nennen wie Mutter Theresa, welche den passenden Beinamen „Todesengel von Kalkutta“ trug, George W. Bush, der in christlicher Rhetorik vom Bösen sprach, das zu bekämpfen sei, Adolf Hitler, der in seinem Buch "Mein Kampf" von der Erfüllung Jesu Auftrag sprach und sich in seiner Judenhetze perfekt an Christen wie Paulus und Luther orientierte, Martin Luther, welcher in einem besonderen Maß gegen Juden und aufständische Bauern wetterte und ihre Ermordung forderte und sogar in Joseph Konys LRA, die durch Massenmorde, ethnische Säuberungen und eine Armee von Kindersoldaten seit Jahren Aufmerksamkeit erregt, finden sich christliche Züge.).

Es lässt sich feststellen, dass die eingangs gestellte Frage mit einem ausdrücklich „Nein!“ zu beantworten ist.
Jesus ist nicht als ethisches Vorbild zu gebrauchen.
Im Gegenteil sogar, Jesus als festes Vorbild zu nehmen ist in vielerlei Hinsicht in äußerstem Maße inhuman, spaltend und in einer toleranten Gesellschaft mehr als schädlich.



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Alle Bibelverse wurden der Lutherübersetzung entnommen.

Sonntag, 20. Mai 2012

Die Rolle der Frau im Alten Testament



In einer Debatte mit zwei Zeugen Jehovas vor einiger Zeit, bei der das Thema "Ethik" im Vordergrund stand, wurde auch die Rolle der Frau in der Bibel kurz gestreift. Ich erinnere mich an viele Vorträge in der Versammlung, in der dieses Thema angeschnitten wurde. Texte wie Sprüche 31:10 werden zitiert, ".. ihr Wert ist wie der von Korallen..", die Männer werden ermahnt, gut auf "ihre" Frauen zu achten und sie zu respektieren. Und leise tönt durch: er gibt den Ton an, und sie folgt.

Vergleicht man diese Haltung mit dem Bild, das die Bibel zeichnet, so muss man dem "Patriarchat light" schon regelrecht dankbar sein. Das Alte Testament, seit jeher Sammlung von ethischen Entgleisungen, lässt auch die Frau nicht im Regen stehen.

Betrachten wir zunächst einige auffällige Eigenschaften des Alten Testaments und danach verschiedene Bibelverse, die deutlich Auskunft darüber geben, wie die Bibelschreiber über das weibliche Geschlecht dachten.

Grundsätzlich stellen wir fest, das fast alle Bibelbücher nach Männern benannt wurden. Auch wird in der Bibel nur selten von namhaften Frauen berichtet; die Hauptcharaktere der Bibel sind fast alle männlich. Die wenigen Frauen, die namentlich erwähnt werden, sind in der Regel die Ehefrauen, Mütter oder Töchter von bedeutsamen Männern, von denen die Bibel spricht.

Schon die Schöpfungsgeschichte lässt die Frau nicht sonderlich gut aussehen. Der Mann wird zuerst geschaffen; aus ihm entsteht dann die Frau. Laut der "Neue-Welt-Übersetzung" heisst es in 1. Mose 2: ".. Ich werde ihm eine Gehilfin machen als sein Gegenstück."
Wer hier die Betonung auf "Gegenstück" legen will, kommt trotzdem nicht am Wort "Gehilfin" vorbei. Die Hierarchie ist also von Anfang an festgelegt.

Und die Bibel rückt später nicht davon ab, im Gegenteil: auf die Schöpfung der Menschen folgt der Sündenfall, bei dem - wie könnte es anders sein - zuerst die Frau verleitet wird, die daraufhin den Mann verführt. Gestraft wird sie nicht nur wie der Mann durch Unvollkommenheit und Sterblichkeit, sondern auch durch die Geburtsschmerzen. Außerdem wird der Mann über sie herrschen (1. Mose 3:16). 

Und so geht es weiter.

Das erste Buch Mose zeigt bereits im Kapitel 19, wie wenig wert die Frau in den Augen der Bibelschreiber ist. 
Die Vorgeschichte: Lot und seine Familie leben in der Stadt Sodom. Eines Abends kommen zwei Engel in die Stadt, als Vorboten der Vernichtung. Lot lädt die beiden in sein Haus ein. 
Der Pöbel - angeblich bestehend aus der kompletten männlichen Bevölkerung der Stadt, vom Kind bis zum alten Mann - umstellt daraufhin das Haus und verlangt die Herausgabe der Männer, um sie zu vergewaltigen. Was ist Lots Idee zur Lösung der Situation? Er bietet der Meute seine Töchter, und preist sie sogar mit der Betonung auf ihre Jungfräulichkeit an. Die Situation geht glimpflich aus; die beiden Engel "retten" die Situation, indem sie Lot ins Haus holen und die Angreifer mit Blindheit schlagen.
Aussagekräftig ist hier nicht nur die Tatsache, das Lot seine jungfräulichen Töchter anbietet, sondern auch, das die Töchter in keinem Punkt zu Wort kommen. Sie werden weder namentlich erwähnt, noch wird ihre Meinung dazu angegeben. Wir wissen nicht, ob sie vorher gefragt wurden, ob sie sich freiwillig für die beiden Fremden opfern lassen würden. Wir wissen nicht, wie alt sie waren. All das spielte für den Schreiber dieser Geschichte keine Rolle.

Es gibt eine Geschichte, die große Ähnlichkeit mit dieser hat (Zufall?). Richter 19:22 - 28 berichtet von einer Begebenheit, die an Abartigkeit und Perversion kaum noch zu übertreffen ist.
Ein alter Mann lädt einen Reisenden zu sich nach Hause ein, damit dieser nicht auf dem "öffentlichen Platz" übernachten muss. Auch hier umringen "die Männer der Stadt" das Haus und fordern die Herausgabe des Reisenden, um ihn zu vergewaltigen - mit fast den gleichen Worten wie in der Geschichte von Lot. Auch dieser Hausherr hat eine fantastische Idee, die Situation zu befrieden.

Richter 19:24: "Darauf ging der Hausbesitzer zu ihnen hinaus und sprach zu ihnen: „Nein, meine Brüder, tut bitte nichts Unrechtes, da dieser Mann in mein Haus gekommen ist. Begeht nicht diese schändliche Torheit. 24 Hier sind meine jungfräuliche Tochter und seine Nebenfrau. Laßt mich sie bitte herausbringen, und vergewaltigt sie, und tut mit ihnen, was gut ist in euren Augen. Diesem Mann aber dürft ihr diese schändliche, törichte Sache nicht antun."
 
Wieder ist bedeutsam, das er die Jungfräulichkeit seiner Tochter betont. Mit der Meute ist nicht zu reden, und der Hausherr beschliesst zu handeln, "daher ergriff der Mann seine Nebenfrau und führte sie nach draußen zu ihnen hinaus; und sie begannen Verkehr mit ihr zu haben und fuhren fort, sie die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen zu mißbrauchen, wonach sie sie, als die Morgenröte heraufkam, wegschickten.
 
Was für Qualen diese Frau durchlitten haben muss, ist kaum vorstellbar. Der Text gibt aber zu verstehen, das sie irgendwie überlebt hatte, denn schliesslich war sie laut dem Folgevers imstande, sich bis nach Hause zu schleppen, wo sie auf der Türschwelle stürzte und liegenblieb. Ihr "Herr" bemerkte dies leider erst am fortgeschrittenen Morgen, denn er lag selig schlafend im Bett: "Später am Morgen erhob sich ihr Herr und öffnete die Türen des Hauses und ging hinaus, um seines Weges zu gehen, und siehe, die Frau, seine Nebenfrau, [war] hingefallen am Eingang des Hauses, mit ihren Händen auf der Schwelle!" 
Seine Reaktion darauf:
"Da sagte er zu ihr: „Steh auf, und laß uns gehen.“ Aber niemand antwortete. Darauf lud der Mann sie auf den Esel und machte sich auf und zog zu seinem Ort."
Was folgt, bezeichnen wir heutzutage als Leichenschändung.
"Dann trat er in sein Haus und nahm das Schlachtmesser und ergriff seine Nebenfrau und zerlegte sie nach ihren Gebeinen in zwölf Stücke und schickte sie in jedes Gebiet Israels."

Auch hier erfahren wir wieder mit keinem Wort, wie die Frau hiess, was sie dachte, was sie wollte, wie sie sich fühlte und ob sie in den Entscheidungsprozess irgendwie mit ein gebunden war. Sie wurde ergriffen und der Meute vorgeworfen. Hier ist nicht von einem Individuum, einem Menschen die Rede, sondern von einem Ding, einem Objekt, mit dem Mann verfahren kann, wie Mann will. Ich kann mich in ausgedehnter Exegese versuchen und dem Hausherrn unterstellen, das mit ihr besprochen zu haben, so abstrus das auch klingen mag. Vielleicht hat sie ihre Einwilligung gegeben, vielleicht war das ihre Idee? Nichts in diesem Text deutet darauf hin. Wir wissen nur: der Hausherr ging raus, bot seine Nebenfrau an, ging hinein, "ergriff sie" und "führte sie hinaus". Nichts bietet uns einen Hinweis darauf, das mit der Frau auch nur ansatzweise wie mit einem menschlichen Wesen verfahren wurde.

Die gewünschte Rolle der Frau wird aber auch in biblischen Gesetzestexten klar umrissen. Im Folgenden einige Beispiele:
2. Mose 21:22 : "Und falls Männer miteinander raufen sollten und sie eine Schwangere tatsächlich verletzen und ihre Kinder wirklich abgehen, aber es entsteht kein tödlicher Unfall, so soll ihm unbedingt gemäß dem, was der Besitzer der Frau ihm auferlegen mag, Schadenersatz auferlegt werden; und er soll ihn durch die Schiedsrichter geben."

Verliert also eine Schwangere ihr Kind aufgrund von Fahrlässigkeit eines anderen, muss er dem "Besitzer" der Frau Schadensersatz zahlen. Denn in den Augen der Bibelschreiber war dieser der Geschädigte, und nicht die Frau, die hier nicht als Person angesehen wird, sondern als Eigentum, und damit auch das, was sie an ungeborenem Leben unter ihrem Herzen trägt. 

"...dann sollst du ihr die Hand abhauen."
5. Mose 25:11 : "Falls Männer miteinander raufen, und die Frau des einen ist herzugetreten, um ihren Mann aus der Hand dessen zu befreien, der ihn schlägt, und sie hat ihre Hand ausgestreckt und ihn bei seinen Geschlechtsteilen gepackt, 12 dann sollst du ihr die Hand abhauen. Es soll deinem Auge nicht leid tun."

Als ich diesen Text zum ersten Mal las, war ich vor allem von der beschriebenen Szenerie belustigt. Darüber hinaus gibt es hier definitiv nichts zu lachen. Es gibt verschiedene Interpretationsversuche für diese Bibelstelle; Zeugen Jehovas argumentieren, diese Regel wäre von Gott zum Schutz der Fortpflanzungsfähigkeit eingeführt worden. Gleichzeitig führen sie an, die Frau wäre der Besitz ihres Mannes:

Einsichten Band 2, "Strafe und Verbrechen", Seite 1203: "Dieses Gesetz zeigt deutlich Gottes Achtung vor den Fortpflanzungsorganen.
Da die Frau außerdem das Eigentum eines Mannes war, berücksichtigte dieses Gesetz barmherzigerweise das Recht des Mannes, von seiner Frau Kinder zu haben.
"

Wenn Gottes "Achtung vor den Fortpflanzungsorganen" so groß war, warum finden wir dann keine Bibelstelle, in der das "Packen" in den weiblichen Genitalbereich unter ähnlich archaische Strafe gestellt wird? Warum wird jemandem, der durch Fahrlässigkeit eine Fehlgeburt erzeugt, lediglich Schadensersatz auferlegt, während das bloße "Packen" der männlichen Geschlechtsteile bereits brutale Verstümmelung nach sich zieht?

Und es wird nicht besser.
5. Mose 5:21 : "Auch sollst du nicht die Frau deines Mitmenschen begehren. Ebenso sollst du nicht selbstsüchtig nach dem Haus deines Mitmenschen verlangen, nach seinem Feld oder seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Stier oder seinem Esel oder nach irgend etwas, was deinem Mitmenschen gehört."

Auch hier wird Diebstahl und Habgier nicht von Ehebruch getrennt, die Bibelschreiber sehen keinen Unterschied darin, ob jemand den Acker des Nachbarn will oder seine Ehefrau. Besitz ist schliesslich Besitz.

Mit Kriegsgefangenen wussten die Israeliten noch nie wirklich sensibel umzugehen; man erinnere sich nur an den Genozid, den die Israeliten unter Moses laut 4. Mose 31:17 in Midian begingen - dort liessen sie den männlichen Teil ihrer Kriegsgefangenen exekutieren und verschonten dabei ausdrücklich nicht einmal Kinder. Wen wundert da der folgende Text.

5. Mose 21:10 - 14 : "Falls du zur Schlacht gegen deine Feinde ausziehst und Jehova, dein Gott, sie in deine Hand gegeben hat und du sie gefangen weggeführt hast, 11 und du hast unter den Gefangenen eine Frau gesehen, schön von Gestalt, und du bist ihr anhänglich geworden und hast sie dir zur Frau genommen, 12 dann sollst du sie mitten in dein Haus bringen. Sie soll jetzt ihr Haupt scheren und ihre Nägel zurechtmachen 13 und den Überwurf ihrer Gefangenschaft von sich ablegen und in deinem Haus wohnen und einen ganzen Mondmonat um ihren Vater und ihre Mutter weinen; und danach solltest du Beziehungen mit ihr haben, und du sollst sie als deine Braut in Besitz nehmen, und sie soll deine Frau werden. 14 Und es soll geschehen, wenn du an ihr kein Gefallen gefunden hast, daß du sie dann wegsenden sollst, so wie es ihrer eigenen Seele beliebt; doch sollst du sie keinesfalls um Geld verkaufen. Du sollst sie nicht auf tyrannische Weise behandeln, nachdem du sie erniedrigt hast."

Ins Kurze und Saloppe übersetzt: Findest du unter den traumatisierten Kriegsgefangenen 'ne Frau, die dir gefällt, nimm sie dir mit nach Hause, lass sie ein paar Wochen trauern, um sich in Sicherheit zu wiegen, danach kannst du sie flachlegen. Hast du kein Interesse mehr an ihr, schick sie weg. Sie wird sicher gut zurechtkommen, allein, verlassen und mittellos in der Nation, die die ihre ausgelöscht hat, durch das geschorene Haar gebrandmarkt und für jedermann als ehemalige Kriegsgefangene sofort erkennbar.

Der Hinweis darauf, sie nicht tyrannisch zu behandeln, nachdem sie erniedrigt wurde, wirkt hier wie blanker Zynismus.

Betrachtet man obige Verse vor dem Hintergrund der patriarchaischen Gesellschaftsstrukturen der damaligen Zeit, wundert man sich nicht über so unverhohlen menschenverachtende und frauenfeindliche Zeilen - so war diese Zeit, und das ist schlimm genug. Gehe ich aber von göttlicher Inspiration aus, frage ich mich, warum er Frauen so gering wertschätzt und wie das mit seiner oft umschriebenen Liebe zur Menschheit einher gehen kann.

Fazit: Die Frau gilt im Alten Testament nicht mal ansatzweise als eigenständiges, rechtsfähiges Individuum. Als Tochter ist sie der Besitz ihres Vaters, der offensichtlich frei über sie verfügen kann, als Ehefrau ist sie dann ihrem Mann als Nachkommenserzeugerin verpflichtet. Mehrere Texte belegen deutlich, das auch genau so mit ihr verfahren wurde - sie war mehr Wertgegenstand als Mensch. An Rechten wird ihr nur zugestanden, was absolut nötig ist, und manchmal nicht einmal das.

Selbstverständlich finden wir Bibelverse, die die Frau preisen als wunderbares Geschöpf Gottes, die den Mann ermahnen, sie gut zu behandeln, und die ihre Rechte betonen. Fast, als wolle man Abwertung und Aufwertung in einer Waage gegeneinander aufrechnen, versuchen bibeltreue Christen, durch Aufzählen solcher Verse obige Zitate "auszugleichen". Tatsache ist, das so etwas schlicht und einfach nicht funktioniert. Wenn zehn von hundert Airbusmaschinen gleich bei ihrem ersten Flug explodieren, wird sich Airbus wohl kaum mit dem Argument aus der Verantwortung stehlen können, die restlichen neunzig würden aber in der Luft bleiben.

Donnerstag, 19. April 2012

(Theodizee) Liebe und Allmacht



Gott.
Woran denkt man, wenn man dieses Wort hört?
Die Einen denken an einen alten Mann mit langem Bart auf dem Thron im Himmel. Andere denken dabei an Liebe. An Güte. An die Wunder im Alten Testament. An Allmacht.

In diesen Beispielen sind nun zwei Eigenschaften vorhanden, welche die Bibel u.a. für eine Charakterisierung Gottes benutzt.
Liebe und Allmacht.

Im Folgenden möchte ich darlegen, warum Liebe und Allmacht als Eigenschaften Gottes einen Widerspruch in sich bilden. Untermauern werde ich eben dies zum einen durch die Bibel, welche bei Christen als Wort Gottes gilt, und zum anderen durch den (gottgegebenen) Menschenverstand.
Zu aller erst möchte ich die beiden relevanten Begriffe, Liebe und Allmacht, definieren.Das Bertelsmann Universal Lexikon schreibt zur Liebe:
 „(…) ein Begriff, mit dem eine Vielfalt von Gefühlen der Zuneigung charakterisiert wird, die auf die Vereinigung mit dem geliebten Gegenstand zielen“
Allmächtig und liebend?
Besonders wichtig für den weiteren Verlauf ist das Wort „Zuneigung“.
Liebe beschreibt Zuneigung.

Und Allmacht?
Im Grunde erklärt sich dieser Begriff von selbst. Die Allmacht ist die Macht, alles zu tun. In der christlichen Lehre wird mit „Allmacht“ Gottes souveräne Macht beschrieben, durch welche er unfehlbar alles lenkt (sinngemäß entnommen aus dem Bertelsmann Universal Lexikon).

Dass diese Begriffe wirklich auf das Verständnis des christlichen Gottes zutreffen, lässt sich anhand der Bibel belegen.
In 1.Mose 17:1 kommt er, Gott, selbst zu Wort:
„Ich bin Gott, der Allmächtige“ (Neue Welt Übersetzung)
„Ich bin der Gott, der alle Macht hat“ (Die Gute Nachricht)
„Ich bin der allmächtige Gott“ (Bibel nach Luther)
Kein Zweifel, Gott ist gemäß der Bibel allmächtig.

Mit der Liebe verhält es sich ähnlich.
1.Johannes 4:8 äußert sich sehr deutlich, was Liebe angeht.
„Wer nicht liebt, hat Gott nicht kennen gelernt, weil Gott Liebe ist“ (Neue Welt Übersetzung)
„Wer nicht liebt, kennt Gott nicht, denn Gott ist Liebe.“ (Die Gute Nachricht)
„Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist die Liebe.“ ( Die Bibel (Alpha-Omega))

Somit liegt ganz klar auf der Hand, dass Gott diese beiden Eigenschaften besitzt: Liebe und Allmacht.

Der Kasus Knacktus ist nun Gottes Schöpfung unter der Berücksichtigung dieser Eigenschaften.
Gehen wir einmal von der Liebe (ohne Allmacht) aus.
Gott schuf die Erde, die Tiere, die Menschen. In seiner Liebe schenkte er ihnen das Leben, einen tollen Lebensraum. Später dann, als alles den Bach runter ging, die Menschen sich gegenseitig abschlachteten, vergewaltigten, durch Krankheiten dahingerafft wurden, schickte er sogar seinen Sohn, damit Adams und Evas Erbsünde ausgeglichen werden kann.
Hinzu kamen allerlei „Kleinigkeiten“, wie die Rettung der Israeliten aus dem Roten Meer, die Befreiung seines Volkes von der Belagerung der 185000 Assyrern und vielen sonstigen Taten.
Tja, diese Taten zeugen scheinbar von Liebe. Und wahrlich von Zuneigung. Aber von Allmacht?
Keine Spur.

In seiner Allmacht hätte Gott vorhersehen müssen, was geschehen wird. In seiner Allmacht muss er es vorhergesehen haben, wenn man den Prophezeiungen bezüglich Jesu in der Bibel Glauben schenkt.

Ist Gott allmächtig, so wusste er, was geschehen wird. Er wusste um die Vergewaltigungen, die Massenmorde, die Krankheiten, er wusste um jedes einzelne Übel. Um Aids, um Syphilis, um den „Schwarzen Tod“, die furchtbare Pest…
Um Hitler, um Stalin, um Anders Breivik, und so weiter…
Er hatte die Macht, diesem Übel vorzubeugen. Tat es aber nicht.
Das ist keine Liebe. Keine Zuneigung.
Das ist eiskaltes Kalkül, mancher (so wie ich) würde dabei von Bosheit, von Abneigung sprechen.

Wenn Gott wirklich Liebe ist, wenn er mit Liebe geschaffen hat, so schließt sich die Allmacht automatisch aus – Denn dann wusste er nicht, was geschieht.
Wusste er aber, was geschehen wird, so ist die Allmacht wieder im Spiel – aber die Liebe schließt sich aus.

Um es zu verdeutlichen: Wenn ich genau weiß, dass mein Kind Bonbons mag, werde ich kein Bonbon auf die heiße Herdplatte legen, denn ich weiß, dass es sich verbrennen wird – insofern ich es liebe. Verfolge ich ein anderes Ziel, welches auch immer, würde ich einplanen, dass mein Kind sich die Hand verbrennt, Schmerzen leidet.

Dieses Beispiel zeigt sehr klar das Dilemma, welches durch die Darstellung Gottes in der Bibel entsteht:
Wenn Gott wusste, so liebt er nicht.
Wenn Gott liebt, so wusste er nicht.

Können, aber nicht wollen? Wollen, aber nicht können?
Gibt es noch eine Ausweichmöglichkeit für Gott?
Die gibt es sicherlich und sie ist überaus beliebt:
„Mein Kind, Gottes Wege sind unergründlich…“

Tja, wenn Gott uns wirklich „in seinem Bilde“ (gemäß seinen eigenen Worten in 1.Mose 1:26) geschaffen hat, so sind seine Wege sehr wohl ergründlich – und zeigen ganz klar einen Widerspruch auf.
Sind seine Wege aber wirklich unergründlich, dann frage ich mich, wie sehr man da von Liebe sprechen kann.

Liebe und Allmacht sind hierbei wie zwei gleichgepolte Magneten, die sich abstoßen und nicht zusammen kommen können.
Denn das Eine schließt das Andere unweigerlich aus.

Natürlich besteht die Möglichkeit einer verqueren Argumentation: Man könnte behaupten, dies sei Gottes Plan. Es sei sein liebevoller Plan und jedes Übel schmerze ihn, dennoch müsse es ertragen werden, da am Ende sich alles zum Guten wenden wird.
Jedoch wirft diese Argumentation weitaus mehr Fragen auf als sie eigentlich beantwortet. Auch fehlen jegliche Belege seitens einer solchen Behauptung. Hinzu kommt, dass fraglich ist, inwiefern HIV und Millionen tote Juden im Holocaust, täglich verhungernde Kinder und Vergewaltigungen einem liebevollen Plan Gottes dienlich sein könnten.

Schlußendlich läuft es darauf hinaus, dass für Liebe und Allmacht vereint in einem göttlichen Wesen, von welchem die Bibel spricht, kein Platz ist. Die grundlegendsten logische Schlüsse, die grundlegendste Ethik, die grundlegendste Vernunft verbietet es.
Gott, Liebe und Allmacht…
Keine Chance…

"...Die Weisheit der Welt..."



…ist Torheit bei Gott.
So steht es geschrieben in der Bibel, 1. Korinther 3:19.

Die Weisheit der Menschen ist gleichbedeutend mit Torheit bei Gott, ist die Aussage des erwähnten Verses.
Das, was in diesem Kontext bei dem Menschen als Plus gilt, wäre bei Gott das Minus.
Das wiederum heißt, dass jegliche Weisheiten der Menschen im Grunde unbedeutend seien, denn sie sind ja eine Torheit vor Gott – und das allein zählt, wie aus Matthäus 6:19, 20 hervorgeht, wo davon die Rede ist, man solle sich Schätze im Himmel aufhäufen.

Wie verhält es sich nun mit den biblischen Weisheiten? Klar, der Christ sagt, sie sind von Gott, göttlich.
Nehmen wir mal eine der großen (wenn nicht sogar die größte) Weisheiten.
„Was du willst, was man dir tut, das füg’ du auch deinem Nächsten zu.“
Top Sache, der perfekte Grundbaustein für ein soziales Miteinander.
Ist diese Regel aber wirklich biblisch? Stammt sie aus der Bibel?

Nein.
Menschliche Weisheit - Torheit vor Gott?
Diese Regel gibt es im Christentum, im Judentum, im Islam, im Buddhismus, im Taoismus, im Konfuziunismus, im Hinduismus, im Sikhismus und in weiteren Glaubensrichtungen.
Sogar Jahrhunderte vor Jesus hatten griechischen Philosophen diese Regel aufgestellt, im Hedonismus ist sie seit jeher eine feste Grundregel.

Hm, es scheint, als ob diese große biblische Weisheit gar nicht so unglaublich biblisch wäre. Viele andere Menschen kamen selbst auf diese Weisheit, viel früher sogar. Was ist das Resultat? Eine menschliche Weisheit stimmt scheinbar mit der göttlichen Weisheit überein – ich bin mir sicher, dass niemand es wagen würde, diese große Regel als ungöttlich zu bezeichnen.
Aber ist nicht eigentlich die menschliche Weisheit Torheit vor Gott?

Schöne Pleite.
Wie verhält es sich mit anderen Regeln? Ein paar Beispiele:
Nicht Morden?
Nicht stehlen?
Nicht lügen, betrügen?

Diverse Regeln für ein harmonisches Miteinander scheinen nicht sonderlich göttlich zu sein, eher ziemlich menschlich, ziemlich rational, ziemlich vernünftig.

Was nun ist Gottes Weisheit?
Ich habe mal versucht, eine passende Definition zu finden...

Jedes Gebot, das menschlicher Logik, Rationalität, jeglicher Vernunft und jeglichem Anstand entbehrt, dennoch aber in der Bibel gefordert wird, ist gleichzusetzen mit göttlicher Weisheit, die für den törichten Menschen ja natürlich nicht nachzuvollziehen ist..

Da mir persönlich jedoch nur der menschliche Standpunkt zur Verfügung steht, halte ich es für überaus weise, aufgrund einer nachvollziehbaren und vernünftigen Basis heraus zu handeln. die keine unnachvollziehbaren (göttlichen) Ansichten benötigt.
Wenn das nun Torheit vor Gott ist, bin ich damit vollkommen einverstanden.

Der Falschspieler



Der Film Chaos. Jason Statham als Polizist.
Herr der Ringe. Saruman als weißer Zauberer.
Smokin’ Aces, Andy Garcia als Vorgesetzter der „Guten“.
Josh Hartnett in Lucky#Slevin.
Alle diese Schauspieler haben in ihren Filmen etwas gemeinsam. Sie werden vom Publikum für jemanden oder etwas gehalten, der oder das sie nicht sind.
Jason Statham ist nicht der gute Polizist, Saruman nicht der gute Zauberer, Andy Garcia nicht der gute Boss, Josh Hartnett nicht… der, für den er gehalten wird.

Dies soll eine kurze Einleitung in ein Thema liefern, das mich vor einigen Jahren im zarten Alter von 19 Jahren schwer beschäftigte.
Dieses Thema handelt von der christlichen Vorstellung der Anfänge der angeblich von Gott geschaffenen Welt und des kurz darauf eintreffenden Übels, scheinbar ausgelöst von einer Person, die als Satan der Teufel in der Bibel beschrieben wird.
Ich selbst verstehe es als kritische Hinterfragung, wenn gleich es als purer Spott, vielleicht sogar Hass in den Augen eines eifrigen Theisten gesehen werden dürfte.
Wie auch immer sie aufgefasst wird, mir liegt es fern, jemanden mit meinen Aussagen zu kränken oder auf den Schlips zu treten, jedoch befürchte ich, dass sich eben dieses nicht vermeiden lassen wird im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Thema.
In diesem Fall möchte ich darum bitte, meine Intention, nämlich die kritische Hinterfragung, zu berücksichtigen und sich die eine oder andere Äusserung vielleicht nicht ganz so sehr zu Herzen zu nehmen.

Doch bevor ich beginne meine Gedanken darzulegen, möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass es sich nur um eine These handelt.
Und da eine These eine Behauptung ist, deren Begründung infrage steht, hoffe ich, dass auch mit dieser als einer solchen umgegangen wird. Sie ist infrage zu stellen.

Vorab ein paar Worte zu einem der beiden „Protagonisten“, Satan.
Wer oder was ist eigentlich Satan? Man kennt ihn unter den verschiedensten Kosenamen. Gog von Magog, Urschlange, Teufel, Belzebub, und und und.
Die Bezeichnung „Satan“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „Widersacher“. In der Bibel wird er auch Ankläger Gottes genannt, wie aus Sacharja 3:1 hervorgeht, wo gesagt wird, dass Gott dem Satan verbietet, eine Anklage vorzubringen. Auch die Bezeichnung Zweifler ist sehr treffend. Das zeigt das erste Kapitel im Bibelbuch Hiob, in welchem Satan Hiobs Lauterkeit anzweifelt. Und wie wäre es mit Versucher? Passt hervorragend, wenn man im Hinterkopf behält, dass er ja Jesus auf einem Berg drei Mal hintereinander versuchte (Nachzulesen in Matthäus 4:1-11).
Gleicht die Darstellung des Satans einem falschen Spiel?
Scheinbar ein ziemlich fieser Kerl. Na ja, es kommt sicherlich auch nicht von ungefähr, dass man ihn für alles Übel auf der Welt verantwortlich macht, wenn man bedenkt, dass er ja im Garten Eden die erste Frau dazu veranlasste, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen und somit Unvollkommenheit inklusive Sünde über die Menschheit brachte.
(In den Hebräischen Schriften aber bezieht sich das Wort ßatán nicht nur auf das Geistgeschöpf, welches sich als Gegner Gottes darstellt. In vielen Fällen bezeichnet es Personen, die Widerstand gegen andere leisteten, aber das nur am Rande.)

Kurze Beschreibung abgeschlossen, widmen wir uns der Person des Satans in der Bibel.
Die sicherlich bekannteste Stelle ist die, in welcher er durch eine Schlange Adam und Eva dazu treibt, vom bereits genannten verbotenen Baum zu essen.
Was hat er damit ausgelöst?
In Kurzform wurde es bereits gesagt, Unvollkommenheit und die damit einhergehende Sünde waren die Konsequenzen. Doch was war das genau? Was geschah dort eigentlich, wenn man ein wenig hinter die Geschichte blickt, die man so leichtfertig dahersagt?
Mal ins Details gegangen:
Gott schuf den Garten Eden. Garten wird in der Septuaginta (der ersten griechischen Bibelübersetzung) mit paradeisos wiedergegeben, was auf ein Paradies schließen lässt.
Gott schuf also dieses Paradies, und, vollkommen und perfekt wie Gott nun einmal ist, sollte man davon ausgehen, dass das, was er schafft, auch perfekt durchdacht und schlichtweg gut ist. Und wenn schon nicht ganz perfekt, dann zumindest richtig super konstruiert. Nun aber kam die Feuertaufe – Die Urschlange. Aber halt!
Brustsilikonimplantate.
Brustimplantate aus Silikon? Was haben die denn nun mit dem Garten Eden und dem Sündenfall zu tun?
Eine ganze Menge. Bevor Brustimplantate auf den Markt kommen, werden sie Tests unterzogen. Sie werden z. B. bis zu 10.000 Mal zusammengepresst, was die normalen Belastungen simulieren soll. Sind sie vor Abschluss des Tests beschädigt, landen sie auf dem Müll – Test nicht bestanden. Also heißt es, die Sache zu verbessern. Man setzt sich hin, prüft intensiv, schaut nach, wo die Schwachstellen sind und versucht sie auszubessern, sodass das Endprodukt möglichst perfekt wird – immerhin steht die Gesundheit von Menschen auf dem Spiel.
Durch Tests ein möglichst gutes Endprodukt erstellen und somit keine Leben bzw. Gesundheit gefärden, lautet die Devise.
Eine selbstverständliche Sache – zu selbstverständlich für Gott?
Fakt ist, dass seine Schöpfung, das wohl größte Werk seiner allmächtigen Kraft durch einen Windhauch (oder ein paar gehauchte Worte…) ins Wanken und schließlich zu Fall gebracht wurde.
Seine Schöpfung hielt schon dem allerersten Test nicht stand.
Recht bezeichnend, möchte ich meinen. Ist Satan nun dafür zu verdammen, dass er Gottes offensichtlich recht fehlerhafte Schöpfung testete, dass sie so konstruiert war, dass sie nicht einmal ein paar Worten standhalten konnte?
Ist Satan wirklich für so viele Taten zu verdammen? Ist er das große Übel, das Böse dieser Welt?

Das ist die Frage, die sich wie ein roter Faden durch meinen Essay zieht.
Ist Satan wirklich dieses Böse?

Um ein wenig Form in das Ganze zu bringen, möchte ich nun gern eine Gliederung angeben.
Im Folgenden werde ich mich mit zwei großen Oberpunkten befassen. Der erste handelt Von der satanischen Göttlichkeit.
Zu diesem Oberpunkt gehören wiederum zwei Unterpunkte, nämlich

  1. Die satanischen Gottesvergleiche oder Die göttlichen Satansvergleiche
  2. Gottes satanische Taten

Nach diesem ersten großen Oberpunkt folgte der zweite, mit dem Titel Des Guten Bosheit.
In diesem Abschnitt werde ich mich mit näher mit Gottes Wirkung und seiner Person beschäftigen.
Nach der Abhandlung beider Punkte werde ich ein Resumèe aus dem Gesagten ziehen.

Doch nun zum ersten Oberpunkt.

Von der satanischen Göttlichkeit


1. Die satanischen Gottesvergleiche oder Die göttlichen Satansvergleiche

In diesem Abschnitt geht es um, wie aus der Überschrift ganz klar hervorgeht, Vergleiche. Ich werde in diesem Abschnitt 2 Vergleiche aufstellen, zwischen Taten Satans oder zumindest Taten, welche man als satanisch bezeichnen würde, und Gottes Taten.

A.) Die Massenmorde

Herodes, Judäa’s König zur Zeit der Geburt Jesu, war kein  netter Typ. Er wollte Jesus, welcher als Thronfolger prophezeit war, fix aus dem Weg räumen. So schickte er einige Männer los, die Jesus ausfindig machen sollten. Ein heller Stern zeigte ihnen den Weg. Interpretationen zur Folge hatte Satan diesen Stern auf den Plan gerufen, damit Gottes Sohn gefunden und getötet werden könnte.
Als dieser Plan missglückte, lies Herodes alle Kinder im Alter von bis zu zwei Jahren töten, mit der Hoffnung, Jesus zu erwischen. Somit wollte er sich seine Herrscherstellung sichern.
Eine widerliche Greueltat sonder Gleichen. Die Ermordung Unschuldiger, ein wahrer Massenmord an Personen, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatten.
Wahrhaft teuflisch.

Ein weiterer, nicht so ganz netter Kerl war ein gewisser Pharao aus Ägypten. Vor diesen Pharao traten Moses und Aaron mit der Bitte, die Israeliten, Gottes Volk, aus ägyptischer Gefangenschaft ziehen zu lassen.
Nach der Weigerung des Pharaos, kam es schließlich zu den 10 Plagen, die Gott über Ägypten brachte.
Eine dieser Plagen war der Mord aller Erstgeborenen Ägyptens.
Die Ermordung Unschuldiger, ein wahrer Massenmord an Personen, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatten.
Wahrhaft.. hm.. Göttlich?

B.) Die Prüfungen

Da war ein Mann namens Hiob. Allen Anschein nach ging es ihm gar nicht so schlecht, er hatte ein Haus, Kinder, Frau, Vieh zum Weiden und er glaubte fest, mit ganzem Herzen an Gott.
Satan stellte die Behauptung auf, das Eine resultiere aus dem Anderen, sprich: Hiobs Glaube an Gott sei so unerschütterlich und fest, gerade weil es ihm so gut ginge. Nähme man ihm alles weg, würde er Gott sicherlich verfluchen.
Gott nun fiel auf diese Provokation blauäugig herein und willigte ein in dieses teuflische Spiel.
Hiob 1:12 sagt deutlich, worum es geht. Dort heißt es:
„Da sprach der Herr zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur nach ihm selbst strecke deine Hand nicht aus!(…)“ (Schlachterübersetzung)
Gott willigte ein, dass Hiob, einem Mann, welcher ihn (Gott) liebte, einem ergebenen Diener, alles weggenommen werden darf.
Und so geschah es. Verfolgt man den Bibelbericht, wird deutlich, was genau Gottes Einverständnis auslöste: Hiobs Vieh wurde verbrannt (Die Bibel spricht hier davon, dass ein Augenzeuge dieses Feuer interessanterweise „das Feuer Gottes“ nennt), seine Kinder starben, ermordet und durch eine Naturkatastrophe dahingerafft, Hiob selbst wurde von einer schrecklichen Krankheit geschlagen, drei seiner Freunde warfen ihm vor, ein schlechtes Leben geführt zu haben und am Ende war sogar seine Frau gegen seine Liebe zu Gott.
Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ihm alles genommen wurde. Zwar genommen von Satan, welcher all das veranlasste, jedoch unter der schützenden hand Gottes. „Alles, was er hat, sei in deiner Hand.“ „Mach ruhig, du darfst das, Satan, du hast meine Erlaubnis, diesem Mann (der einer meiner treuen Diener ist) Schlechtes zu tun.“
Und warum das alles?
Einzig und allein, um Hiobs Lauterkeit zu testen. Um Hiobs Lauterkeit vor Gottes Feind zu testen (was direkt bedeutet, dass Hiobs Wohlergehen von Gott als geringer angesehen wurde als die Notwendigkeit, sich selbst vor Satan zu beweisen).
Wie schön, dass Gott diesen Test über Hiob ergehen lies, ihn versuchte, so ist seine Lauterkeit weiterhin ein Vorbild.

Eines Tages streifte Jesus durch die Wüste, allein. Er fastete vierzig Tage und vierzig Nächte. Schließlich kam Satan zu ihm und stellte ihn auf die Probe. Er nutzte Jesu Bedürfnisse als Sprungbrett für seine Versuchungen.
Widerlich, den leidenden Jesus in so einer Situation auch noch zu versuchen.
Wie kann man nur eine so lautere Person wie Jesus Versuchen? Teuflisch, dieses Werk der Versuchung!


Was zeigen diese Vergleiche?

Nun, im ersten Vergleich, wo es um die Massenmorde geht, wird deutlich, dass zum Einen Gott selbst zig Unschuldige dahinrafft, was scheinbar als richtig betrachtet wird.
Die gleiche Tat von jemand anderem ausgeübt wird als furchtbare Handlung offenbar.
Warum? Beide Male wurden unzähige Unschuldige schier abgeschlachtet!

Im zweiten Vergleich, wo es um die Prüfungen geht, fungierte im Falle Hiobs Satan als verlängerter Arm Gottes, Gott selbst legte alles in Satans Hand um Hiob zu prüfen. Gott wird nicht angeklagt.
Als Satan jedoch auf eigene Faust einen Menschen prüfte, wird er verpöhnt. Sogar, obwohl dieses Mal keine unschuldigen Kinder und Tiere vom „Feuer Gottes“ geschlachtet wurden.
Warum?

Wie kommt es, das Satans Taten als schlecht abgetan werden, wenn doch klar auf der Hand liegt, dass Gott zum Einen genauso handelte oder aber sogar noch schlimmer, wie im Fall Hiobs, als er sinnlos seine Kinder, die Menschen, sterben lies, nun aber Gottes Taten nicht als schlecht angesehen werden?

Satans Bosheit, in Relation zu Gottes Taten, gerät hier sehr ins Wanken.
Vielleicht aber ist es auch Gottes Göttlichkeit, welche im Vergleich zu Satan schief zu stehen scheint.
Dazu später mehr, wenn es um Gottes Eigenschaften geht.


2.) Gottes satanische Taten

Was bedeutet eigentlich satanisch? Ein Synonym, was das Internet für „satanisch“ ausspuckt, ist „infernalisch“.
Infernalisch kommt von dem Wort Inferno, welches „Hölle“ bedeutet. Das Wort Inferno bietet eine gute Einleitung in die erste einer Aufzählung von Taten Gottes (oder göttlichen Taten).

  • Ein wahres Inferno. Feuer und Schwefel regneten vom Himmel. Die Städte Sodom und Gomorra wurden wortwörtlich dem Erdboden gleichgemacht.Ein göttlicher Genozid, sämtliche Einwohner sterben. Göttlich?

  • Samaria.Von Gott für schuldig gehalten, die Kinder zerschmettert, die schwangeren Frauen aufgeschlitzt. Ein göttlicher Richtspruch. Göttlich?

  • Massenhafte Ermordung von Kindern, Alten, Frauen, Männern. Angeordneter Massenmord im Feldzug gegen Amalek. Göttliche Anordnung. Göttlich?

  • Religionsfreiheit. Eine Reihe von Israeliten wandte sich von Gott ab und betete einen Anderen an. So lies Gott 3000 Menschen zu Tode kommen. Ein göttliches Urteil. Göttlich?

  • Die bereits genannte Ermordung aller Erstgeborenen Ägyptens – Gott brauchte den Zuspruch des Pharaos um sein Volk zu befreien?! Eine göttliche Notwendigkeit, um zu morden. Göttlich?

  • Demokratie in der Ausübung der Religion: Mitglieder zweier Stämme versuchten, Priesterhandlungen demokratisch zu verteilen. Gottes Antwort auf diese Demokratie war die Ermordung von 250 Mitgliedern seines Volkes u. a. durch (göttliches) Feuer. Göttliche Alleinbestimmung. Göttlich?

  • Das Volk Israel beschwerte sich über die einseitige Ernährung, die Gott ihnen bescherte. Als Alternative (oder Rache?) wurden giftige Schlangen gesandt, die zig Israeliten töteten. Eine göttliche Strafe. Göttlich?

  • Massenhafte Ermordung vieler Stadtbewohner (z.B. derer aus Og oder Heschbon) durch Gottes Volk, die Aufzählung der Opfer besteht aus Kindern, Frauen und Männern. Göttlicher Krieg. Göttlich?

  • Gott schickt einen Engel aus, um ein assyrisches Heer von einer Stärke von 185000 Mann auszulöschen, was er auch prompt tut. Göttlicher Sieg. Göttlich?

Zwar wird in Lukas 22:31 davon gesprochen, dass Satan derjenige ist, der die Menschen wie Weizen sichten will, aber es hat doch eher den Anschein, als ob Gott hier die Sichel in der Hand hält und sie mit großzügigen Schwüngen herumreißt.

Diese Liste könnte man noch um zig Beispiele erweitern, Beispiele, welche stellvertretend für Gottes zahlreiche infernale (oder sollte ich satanische sagen?) Rache und Urteile über seine Kinder stehen.
Warum hat er diese Menschen bestraft?
Nun, in manchen Fällen spielte die Religionsfreiheit eine Rolle. Heute zählt die Religionsfreiheit zu einem Menschenrecht.
Sind göttliche Strafgerichte von "satanischem" Verhalten
zu unterscheiden?


Dann wichen die Lebensweisen von Gottes Geschmack ab. Auch hier würde Gott scheinbar den Menschenrechten widersprechen (Abschnitt Egalität). Oder aber es war ein Massenmord an Unschuldigen nötig, damit Gott sich einem Menschen (Pharao) beweisen konnte. Im Falle Hiobs sogar wollte er sich sogar so sehr seinem Widersacher beweisen, dass er dafür seine Diener furchtbaren Qualen auslieferte.
In jeden der Beispiele scheint eine absolute Geringschätzung von Menschenleben bemerkbar zu sein.

Zeugen diese Beispiele von einem göttlichen Verhalten? Zeugen sie von wahrer Göttlichkeit, von der Liebe eines Vaters zu seinen Kindern, eines Schöpfers zu seinen Geschöpfen?

Würde es auffallen, wenn ich in diesen Beispiele „Gott“ durch „Satan“ ersetzen würde?


Des Guten Bosheit


In der Bibel, welche als Gottes Wort gilt, werden diverse Eigenschaften aufgelistet, welche Gott zu eigen sein sollen.
Barmherzigkeit, Macht, Kraft, Liebe, Langmut, Weisheit und einige weitere. Diese Eigenschaften zeichnen ihn als richtig feinen Kerl aus.
Aber ist dem so?
In diesem Abschnitt möchte ich näher auf Gott als solchen eingehen, welche Wirkung er, zumindest auf mich, hat. Darüber hinaus gilt es noch eine Frage zu beantworten, welche im ersten Abschnitt gestellt wurde (zur Erinnerung: Wie kommt es, das Satans Taten als schlecht abgetan werden, wenn doch klar auf der Hand liegt, dass Gott zum Einen genauso handelte oder aber sogar noch schlimmer, wie im Fall Hiobs, als er sinnlos seine Kinder, die Menschen, sterben lies, nun aber Gottes Taten nicht als schlecht angesehen werden?)

Die folgenden Erläuterungen möchte ich gerne mit einem Filmzitat einleiten: „Was ich im Inneren bin, zählt nicht. Was ich tue, macht mich zu dem, wer ich bin.“

"Die Glücklosen sind nichts weiter als ein Bezugspunkt für die Glücklichen, (…). Durch ihr Unglück zeigen sie mir nur mein Glück. Es ist nur bedauerlich, dass die Glücklichen erst merken, was für ein Glück sie hatten wenn es sie verlässt. Sie zum Beispiel, gestern sind sie besser dran gewesen als heute aber erst durch den heutigen Tag merken sie das(…)“
Dieses weitere Filmzitat lässt sich wunderbar in das kleine Dilemma um Gott und seine Taten einfügen. Ich möchte sie ein wenig umändern und so dem Thema mehr anpassen.
„Die Bösen sind nichts weiter als ein Bezugspunkt für die Guten. Durch ihre Bosheit zeigen sie mir nur, wie gut ich bin.“
Was genau sage ich damit aus?
Die Aussage ist, dass Satan als Inkarnation des Bösen ein notwendiges Übel für Gott darstellt. Ein notwendiger Bezugspunkt für Gottes Göttlichkeit.
Wie das?

Wofür benötigt man Gott? Was gibt Gott? Was verspricht er?
Hoffnung. Hoffnung, dass das Übel der Welt einmal ein Ende haben wird.
Rettung. Rettung aus dieser von Satan „vers(e)uchten“ Welt.
Liebe. Liebe in Zeiten von Schlechtigkeit.
Kurzum, Gott ist der Retter in der Not.
Braucht man einen Retter ohne Not? Braucht man ein Regencape bei Sonnenschein?
Es ist unbedingt nötig, dass Satan das Leid schafft, denn ohne dieses Leid, ohne Satan, wäre Gott für den gemeinen Menschen nicht zu gebrauchen oder aber er würde massiv an Nutzen einbüßen.
Satan muss als Bezugspunkt für Gott vorhanden sein, da ohne ihn Gott als Träger der Hoffnung überflüssig werden würde. Er wäre das Regencape, welches man bei Sonnenschein getrost im Schrank liegen lassen darf (und sich vielleicht sogar noch darüber freut).
Und genau diese Erkenntnis liefert die Antwort auf die noch offen stehende Frage. Wie kommt es nun, dass Satans Taten diesen schlechten Charakter haben?
Gott musste ihnen den schlechten Charakter verleihen. Ganz einfach darum, weil ein Bösewicht (bzw. in diesem Fall zuzüglich die Not, die er auslöste) nunmal von Nöten ist, um den Helden als 'das Gute' zu personifizieren. So ist dann egal, was 'der Gute' tut, solange er in Wirklichkeit gegen 'das Böse' kämpft (Ein Mord für die gute Sache ist doch in Ordnung oder etwa nicht?). Wie stünde es wohl ansonsten um seine Göttlichkeit? Wie stünde er wohl da, wenn Satans Bosheit ihm nicht gegenüberstehen würde…? (Nicht verwunderlich, dass George W. Bush genau diese Gedanken verwandte, als er seinen Kreuzzug gegen die 'Achse des Bösen' als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 startete. Tatsächlich sprach er vom realen 'Bösen', welches existiere und bekämpft werden müsse.)
Die Logik, die man zu diesem Thema sehr häufig bei Christen, besonders fundamentalistischen Christen, antrifft, ist sehr passend.
Was auch immer der christliche Gott tut – es ist gut. Warum? Zirkelschluß: Weil er Gott ist. Und was Gott tut, ist gut.
Im Gegenzug ist alles, was Satan tut schlecht. Warum? Weil er Satan tut. Und was er tut ist schlecht. Eben weil er Satan ist.
Eine inhaltliche Auseinandersetzung kann unter so einer Voraussetzung nur schwer vernünftig ablaufen.
So bleiben die Rollen fest verteilt ohne genauer zu untersuchen, wie sich die Protagonisten überhaupt verhalten und wie sehr die Rollenverteilung des Guten auf der einen, des Bösen auf der anderen Seite überhaupt gerechtfertigt ist.
Tatsächlich darf eine inhaltliche Auseinandersetzung damit überhaupt nicht stattfinden, da sie das Rollenverhältnis der absoluten Grundfesten des Glaubens bzw. der Bibelerschüttern könnte.

Satan als Böses wird von Gott also unbedingt gebraucht (vielleicht sogar als 'das Böse' vorgesehen?). Es ist absolut notwendig, dass er einen bösen Charakter zugewiesen bekommt oder bekam. Auch im Angesicht der Tatsache, dass seine (angeblichen) Taten oftmals entweder genau die gleichen wie die des Gottes waren oder sogar weitaus weniger mördische Ambitionen aufwiesen. Ist Satan zu verdammen? Falls ja, falls Satan für seine Taten zu verdammen ist, so ist es Gott ebenfalls.
Natürlich ist die gleiche Handlung nicht immer gleich zu bewerten. Ich erinnere spontan an den „Tyrannenmord“ (Stichwort Anschlag auf Hitler in der Wolfsschanze) – ein Mord, welcher an sich zu verurteilen ist, jedoch wird ihm ein anderer Charakter verliehen, wenn er zum Schutz vieler weiterer unschuldiger Menschenleben verübt wird.
Jedoch sind die zahlreichen Morde an Kindern, an Unschuldigen, die Genozide und nicht zuletzt das immer wieder und wieder beschriebene und geforderte Schlachten von Tieren kaum mit einer derartigen Notwendigkeit in Zusammenhang zu bringen.

Richard Dawkins beschreibt den christlichen Gott in seinem Buch „Der Gotteswahn“ als „(…)eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann(…)“
Behält man nun noch die Worte im Sinn, die Gott über sich selbst in Jesaja 45:7 aufschreiben lies, nämlich dass er das Unheil selbst schafft, darf man obigem getrost zustimmen.
Ich frage mich ernsthaft, ob Benedikt XVI daran wohl dachte, als er am Ground Zero des ehemaligen World Trade Centers folgende Worte an seinen Gott sprach: „Wir bitten dich, denen Heilung zu bringen, die an Verletzungen und Krankheit leiden, weil sie an jenem Tag hier waren. Führe jene auf den Weg der Liebe, deren Herzen sich in Hass verzehren.“
Hätte Benedikt auch für die gebetet, die Gottes zahlreichen Massenmorden zum Opfer fielen?


Resumée

Viele Worte, viele Gedanken, viel Durcheinander: Was ist denn die Konsequenz, der Schluß aus alledem?

Die besprochenen Themen, Von der satanischen Göttlichkeit und Des Guten Bosheit lassen für mich eine bestimmte Folgerung zu, die bereits in der Bibel genannt wird.
Aufgeschrieben wurde er in 2. Korinther 11:14. Luther übersetzt diese Stelle wie folgt:
„(…)Denn der Satan selbst verkleidet sich als Engel des Lichts.“
Durch das, was Gott über sich selbst hat aufschreiben lassen, wird ganz klar vor Augen geführt, dass Gott selbst ein solcher Engel des Lichts ist. Er selbst vereint die Eigenschaften in sich, die man als satanisch bezeichnen würde, sogar handelt er an mancher Stelle genau wie Satan und verkleidete sich als Engel des Lichts, während er Tod, Mord, Krankheiten, Folter und Qual brachte.
Schaut man sich die Bibel, besonders das Alte Testament, genauer an, lassen sich unter anderem folgende Feststellungen treffen:
Der biblische Gott mordete wieder und wieder, zahllose Unschuldige sowie unzählige Tiere fielen seiner Rachsucht und Wut zum Opfern.
Er mordete nicht nur selbst, er rief auch andere zum Mord auf (so wird in 5. Mose ganz klar formuliert, dass Hexen nicht am Leben gelassen werden sollen, ein Gebot, das niemals in der Bibel widerrufen wurde).
Er unterstützte andere Menschen, welche selbst Morde forderten (der Schreiber der Psalmlieder flehte direkt zu Gott, er möge die Gottlosen schlachten).
Er bestrafte in damaliger Zeit Ambitionen, die heute grundlegende Menschenrechte darstellen, mit grausamen Hinrichtungen.
Er folterte besonders ‚sein Volk‘, die Israeliten, sobald sie nicht spurten (er verbrannte sie, lies sie mit Schwerter abschlachten, vergiftete sie, lies sie mitunter ersticken, bestrafte das gesamte Volk mit einer 40jährigen Strafe in Form einer Wanderung durch Wüsten als Folge für die von ihm verachtete Angst einiger Kundschafter, usw.)
Er forderte Brandschatzungen, Plünderungen, brutale Eroberungen, „Kreuzzüge“ (so wurden die Gibeoniter schlicht versklavt, die Kanaaniter ausgerotten im Zuge der Eroberungen und Plünderungen ihrer Länder durch die von Gott geführten Israeliten).

Düstere Aussichten, dieses göttliche Licht.
Kein Zweifel, die Verkleidung Gottes als ein ‚Engel des Lichts‘ kann einer vernünftigen und ethischen Betrachtung kaum standhalten.

An und für sich ist diese Darstellung in einem Buch kein großes Thema.
Besorgniserregend ist jedoch die Tatsache, dass viele Millionen Menschen heutzutage noch zu diesem Massenmörder, diesem Schlächter beten, ihn bitten, einzugreifen um die Probleme der Welt zu lösen.
Nun, wie seine Problemlösungen meist aussehen, habe ich unter anderem dargelegt: Mord. Es funktioniert nicht wie gewünscht? Dann wird gemordet, der nicht funktionierende Mensch wird schlicht entfernt, ausgewechselt wie ein Bauteil beim Auto.

Zwar ist als Verteidigung zu sagen, dass diese bittenden Menschen sicherlich nicht allesamt auf einen mordenden Eingriff seitens ihres Gottes hoffen, wie er gemäß der Bibel zwar zu erwarten wäre (und dass es eben diese Hoffenden gibt, ist mir sehr wohl bewußt), aber dennoch ist es mehr als bezeichnend, dass die umfassende Kenntnis dessen, den man um Hilfe bittet, entweder vollkommen ignoriert wird oder aber komplett fehlt.

Die Basis der Hoffnung gebaut aus Ignoranz oder Unwissen? Oder sogar beidem? Wirklich düstere Aussichten...  

Neben den oben zitierten Worten Benedikts XVI am Ground Zero bat er Gott in einem Gebet: „Oh Gott der Liebe, des Mitgefühls, des Heilens, schau auf uns.“
…Gott, falls es dich gibt, bitte übersehe mich dabei.